Perlen aus Blacklandy – der Bremsenfunktionstest

Aus der Reihe verbaler Landylustwandelungen auf Blacklandy. Auf die Frage ob sich ein Prüfer raussuchen könne, wie er die Bremsanlage eines Land Rovers testet floss mir das folgende aus der Tastatur:

Ich weiß nicht ob die sich das raussuchen dürfen. Ich weiß aber dass vier gerade schwarze Streifen das sind, was man braucht.

Mein TÜV hat es mit den schwarzen Streifen probiert. Er erklärte mir, dass ein Land Rover ein Allradler sei und deswegen nicht auf dem Rollenprüfstand dürfe. Wobei er das R in Rollenprüfstand wohl zur Untermalung seiner Kompetenz imponierend rollte. Als ich versuchte darauf hinzuweisen dass er da an andere, jüngere, pemanentallrädrige Land Rover denkt war er energisch mit dem Klemmbrett fuchtelnd meine blattfefederte Alltagsschlampe kritischst beäugend schon weiter. Man merkte, dass es ihm sichtlich schwerfiel den ganzen Tag von halblau angegoogelten Voll-Laien vollgeschwätzt zu werden. Überhaupt mit Nichtprüfingenieuren, also unzertifiziertzen Menschen, Kontakt haben zu müssen war sichtlich nicht seins. Dafür hatte er nicht studiert, soweit war das klar.

Und nicht nur der Halter des Land Rovers, auch das Fahrzeug selbst hatten es ihm bis hierhin nicht gerade leicht gemacht. Prüfer müssen fahren, sagt er. Ok sage ich und gebe ihm den Schlüssel. Beim schwungvollen Aufentern reißt er sich den Kittel am Burstlock auf um dann leicht lenkerlos aber sehr eloquent seine spontane Irritation auflösend und durchaus kundig festzustellen: Shit, Rechtslenker. Beim Einsteigen auf der richtigen Seite achtete er darauf sich nicht auch noch die andere Kitteltasche einzureißen. Guter Mann, lernfähig. Der Schlüssel fand dann auch im zweiten Anlauf das Schloss und ich erfuhr warum das eigentlich nicht gut sei. Nichtwohlmeinde Beifahrer könnten hier in voller Fahrt den Schlüssel abziehen. Ein klarer Fall von „German Angst“ dachte ich mir, sagte es aber wohlweislich nicht. Aber wir waren uns schnell einig, das man das nicht umbauen müsse, schon aus Kostengründen sei das unzumutbar. Ich müsse halt darauf achten und die Möglichkeit stets einkalkulieren. So ist das wohl bei Menschen die gewohnheitsmäßig beim Wasserlassen die Möglichkeit des Einschlags eines Satelitenfragmentes auf den Koordinaten des Klos einkalkulieren. Nicht mein Schicksal, nennt mich unverantwortlich, nennt mich unverantwortlich und flatterhaft, aber über die nichtwohlmeinenden Beifahrer werde ich nicht weiter nachdenken. Wobei.. es gibt bestimmt eine App dafür.

Gerade hub ich an ihm zu erläutern welcher Knopf wofür sein Dasein im Hebelwald auf der Mittelkonsole fristete, da unterbrach er mich schroff auf seine studierte Kompetenz verweisend. Durchaus kundig startete er den Briten und mit einer elegant gleitenden Bewegung legte er den Gang ein und der Wagen fuhr .. nicht. Seine ernst vorgetragene Blitz-Diagnose, dass offenkundig meine Hauptwelle gebrochen sei, konterte ich mit der Ausführung des Hebelwunders von Lourdes, worüber er spontan den Motor abwürgte. Aber das Getriebe würde dennoch im Rückwärtsgang leicht mahlen. Rückzugsgefechte dachte ich mir und ließ dier Natürlichkeit dieses Mahlens in Folge der geraden Verzahnung unerwähnt. Wenn ich eins in der Hochschule gelernt habe, dann dies: Nie Dozierende belehren. Niemals. Immerhin wollte ich keine Bekehrung eines Prüfkittels sondern eine Beklebung meines Bleches erreichen. Manchmal muss ein Mann schweigen können, auch ein Guido. Auch wenn es schwer fällt.

Den Wendekreis der britischen Bäuerin hat er massiv unterschätzt, was er merkte als etwas zu schwungvoll der mächtige Torpfosten mittig auf ihn zurauschte. Yeah: Qualmende Donuts auf dem Prüfhof. Ab da hätte er eigentlich schon wissen können, dass mit den Bremsen alles in Ordnung ist. Was ihm aber wohl inmitten des schweißigen Rangierens erstmal nicht weiter auffiel. Denn dabei ging ich ihm ziemlich auf den Zeiger (und er mir), weil ich seltsamerweise partout wollte, dass er im Rollen rangiert. Er muss die Verschleißteile in der Lennkung ja nicht wechseln, dass ist mein Job. Deswegen sah er das mit dem im Stand die Räder am Lenkrad brutal stemmend einzudrehen deutlich entspannter als ich. Alles eine Frage des jeweiligen Standpunktes, ich weis.

Danach hinderte ihn nur ein kurzes aber deutlich befehlsgewohntes pädagogisches Anbellen meinerseits daran das nicht ganz aufgezogene Hallentor mit meinem Alltagstier vollends aufzuschieben.

Hierdurch wohl leicht fahrig geworden meinte er nachdem er ausgiebig mit seiner Prüflanze in Madames Rektrum rumgestochert hatte 3% Co seien zu viel und ich rollte eine Weile mit den Augen. Dann waren 3% Co plötzlich in Ordnung.

Dieser wohl notwendigen mentalen Vorbereitung folgte nun als Höhepunkt der Prüforgie die Bremstestfahrt. Wobei er wohl genug vom Selber-Landyfahren hatte, ich solle das Volant übernehmen, was ich auch tat. Als Zeichen seiner Kompetenz legte er ein, wie er sich nicht zu sagen verkneifen konnte, sehr präzises und daher auch sehr teures Kästlein der Spezialfirma Elektrogizmo behutsam auf den Mittelsitz. „VerzögerungsmessschreibeRR“ stellte er im besten preußischen Beamtensteno fest. So als wäre damit alles gesagt, was dazu zu sagen wäre. Ich hatte meinen Spaß am abermals virtuos gerollten R. Das Schicksal nahm dann sprichwörtlich seinen Lauf, als er mich anwies präzise auf 30 km/h zu beschleunigen.

Als die Tachonadel die 30 km/h erklomm rief ich durch den angewachsenen Lärm des Maschinenführerstandes zu ihm hinüber, dass ich dann soweit wäre. Schrie er mit spitzem Zeigefinger abwechselnd in Richtung des Tachos und seiner Augen fuchtelnd zurück er er sähe auch den Tacho, ich solle gefälligst auf 30 beschleunigen. Seinen Daumen lies er darauf dies untermalend mehrfach fordernd stoßweise nach oben schnellen. Sehr cool: Taktische Handzeichen, ich wollte schon mit dem universellen OK Zeichen quittieren da stoppte mich sein kalter Blick der überdeutlich sagte: um mich zu bescheißen sind andere schon früher aufgestanden. Nun, wenn er schon nicht fahrzeugschonend rangieren und Landy im allgemeinen kann, dann kann ein Ingenieur doch auf jeden Fall Zahlen und Einheiten. Sollte man denken. Meine Tachoskala hat aussen groß Meilen und innen klein Kilometer, das weiß er spätestens seitdem er meine Lenklager und Spustangenköpfe rituell auf dem Altar seiner universellen Kompetenz opfern wollte. Was solls, er ist der Ingenieur, und dass muss man respektieren. Es folgte die angewiesene Vollbremsung aus 30 nunmehr MPH statt km/h also etwas unter 50km/h. Ich bin kein Unmensch also rief ich noch „Festhalten!“. Und er fasste sein Klemmbrett fester. Was ich nicht meinte und er dann auch spontan merkte. Ich trat jedenfalls wie geheißen das Pedal bis zum Blech durch, der Prüfer klappte ordnungsgemäß im Beckengurt zusammen und vier gerade schwarze Streifen kündeten stolz hinter dem Landy von seiner funktionierenden Bremsanlage. Nur das teure Kästlein lag im Fußraum und war irgendwie kaputt. Er faselte wohl noch etwas benommen davon, das die Bremse zu scharf eingestellt wäre. „Überblockieren“. Als ich spontan an der eigentlich unmöglichen Flexion des Superlatives Blockieren interessiert wissen wollte was schwaches von starken und zu starkem Blockieren unterscheide, suchte er augeblicklich ein anderes Thema. Eines, dass ihm seine Ehre wiedergeben sollte.

Die Trauer über das abgegangene Kästlein ließ ihn verbittern. Hartherzig geworden streifte daher sein hungriger Blick über die automobilgewordene Ansammlung von Betriebsstillegungssteilvorlagen und bleib triumphierend an den Blinkern hängen. Hah! Die Schraubgläser ihrer königlichen Armee haben keine ECE Homologisierung. Spitz, siegessicher und fordernd spuckte er das Tripel E-C-E gefolgt von einem geradezu explodierenden Homo und dem wie zum Beweis leicht abgetrennt und bedeutungsheischend leiserem zischfolgendenLogisch aus. Klar dachte ich mir: die britische Armee war für vieles bekannt aber nicht für Homo und logisch. Aber das sagte ich nicht. Die Briten blinken mit den Gläsern und machen keinen Prüfingenieursschweinkram von dem ich nicht mal ansatzweise wissen will, wie der aussieht. Ein Mann will ja nicht nachts schweißgebadet aus fremder Ingenieure übler Prüfvisionen aufwachen. Auch das sagte ich natürlich nicht und und ich stellte auch keinen Bezug zwischen Homo, Logisch und seiner geradezu ehrfurchtgebietenden Freddy-Mercury-Gedächtnis Rotzbremse her. Zumindest nicht laut, obwohl sich das förmlich aufdrängte. Nein, ich kramte obzwar genervt so doch betont gelassen und (vergeblich) um De-Eskalation bemüht aus dem Seitenfächern meiner Pritsche zwei ordinäre Spiralo-Plasteblinker mit E Zeichen und bot an, das originale Geleucht hier und jetzt gegen schnöde unoriginale Plaste zu tauschen. Erst flackerte in seinen Augenwinkeln noch kurz und hektisch der Irrsinn auf, dann erlosch der wilde Glanz. Müde winkte er ab, schleifte seinen, wie ich meine, altgewordenen Kittelkörper hinters Auto und klebte ein neues Siegel auf mein Blech. Irgendwie war ihm homo und logisch gerade sowas von egal geworden.

Heute nachmittag würde er ein paar Dummrummsitzautos wegen Falten in der Rettungsdecke durchfallen lassen. Ein paar? Alle.

Zuerst erschienen auf Blacklandy.de

No votes yet.
Please wait...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.