Anonymous PTO

Salut Guido,

danke für die Bereitstellung der “Fitting Instructions and Parts List”.

Ich habe das Bottom PTO inzwischen montiert und folgende Anmerkungen:

Auf Seite 9, oben rechts, linkes Detailbild, ist ein Spiel von 0,004” bis 0.006” (ca. 0,1 mm bis ca. 0,15 mm) angegeben. Dieses Spiel ist der Bemaßung nach ein Kopfspiel zwischen den Zahnrädern.

Da dieses aus maschinenbautechnischer Sicht viel zu klein ist, handelt es sich wahrscheinlich um das Zahnflankenspiel.

Mit der Messuhr habe ich ein Zahnflankenspiel im bottom pto von 0,25 mm gemessen – also reichlich aber nicht einstellbar.

Weil das aber später an der entscheidenden Stelle am angebauten bottom pto so nicht möglich ist, habe ich außerdem ein Stück Fittinglot (d = 2 mm) das ich, bei ausgebautem aber montiertem bottom pto, zwischen zwei Zähnen durchgedrecht und mit dem Messschieber die Verformung gemessen. Das Kopfspiel ergab sich dabei zu etwa 1,7 mm (Pos. 4):

Die “Fitting Instructions” schlagen vor das Zahnflankenspiel in eingebautem Zustand mit einem Schraubendreher zu prüfen. Mit anderen Worten: Es soll irgendwie durch das Oelablaufloch ein Zahnflankenspiel mit einem Schraubendreher subjektiv erfühlt werden. Wenn die Achsabstände der Getrieberäder nicht stimmen und die Zahnräder nicht ordentlich kämmen, leidet die Lebensdauer der Bauteile. Also insgesamt eine heikle Konstruktion, bei der letztlich von außen mit Papierdichtungen der Achsabstand eingestellt werden soll, um ein korrektes Zahnflankenspiel herzustellen, das in montiertem Zustand kaum messbar ist – für mich als Maschinenbauingenieur war das so nicht hinnehmbar, denn eine zuverlässige Maschine muss zufallsminimiert werden.

Ich schlage darum folgende Vorgehensweise vor: Vormontage des bottom pto ohne Dichtungen und ohne Abtriebseinheit nach hinten, also ohne pto oder ohne Hydraulikpumpe, so dass man mit den Fingern in montiertem Zustand das große Zahnrad im bottom pto durch das große Flanschloch erfühlen kann. Dann nimmt man ein Stück Fittinglot und dreht es zwischen einem Zahn des treibenden Rades im Getriebe und dem getriebenen Rad im bottom pto durch, um das Kopfspiel abzuformen und zu messen (Pos.1) Das gibt einen ersten Anhaltspunkt wie weit das bottom pto vom Fahrzeuggetriebe durch Dichtungen abgerückt werden muss. Gleichzeitig kann man mit den Fingern erfühlen ob ein Zahnradspiel vorhanden ist oder ob die Kombination der beiden Getriebe schwergängig ist – was im Betrieb keinesfalls vorkommen darf. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass man nirgendwo die Finger rein steckt oder andere an Rädern drehen lässt. Besser ist es das Transfergetriebe in Leerlauf zu schalten und das center pto einzurücken, dann kann man unter dem Auto von Hand daran drehen und beobachten und fühlen was sich im bottom pto bewegt. Beim Kopfspiel von 1 mm (Pos.1) wird sichtbar wie stark das Lot in meinem Falle verformt wurde und man sieht die fast abbrechende Fahne die sich zwischen den Zahnflanken befunden hat. Das Zahnflankenspiel war dabei fast Null. Dann habe ich vier dünne Blechstreifen (s = 0,25 mm) zwischen bottom pto und Fahrzeuggetriebe eingelegt, dieses also parallel vom Fahrzeuggetriebe um 0,25 mm abgerückt und den Vorgang wiederholt (Pos. 2) Es ergab sich eine Messung des Lotes von 1,1 mm. Daraufhin habe ich die Dichtungen ausgewählt, das bottom pto moniert und erneut geprüft (Pos. 3; c = 1,3 mm), sowie durch das Flanschloch beobachtet wie sich die Zahnräder bewegen und anfühlen wenn man sie dreht.

Schließlich habe ich in diesem Zustand den Motor kurz laufen lassen, um unter dem Fahrzeug zu hören wie das Getriebe läuft. Schraubendreher ans Ohr und auf die Welle des Antriebsrades am bottom pto – das muss sich gleichmäßig anhören und keine üblen Geräusche machen. Dann Motor sofort wieder aus, Arbeitseinheit montieren, Transfergetriebe mit Oel füllen.

Zur Oelpumpe:

Für die Oelpumpen der späteren Ausführung gibt es zwei verschiedene Ersatzteilnummern, eine für Links- und eine für Rechtslauf, von hinten nach vorne, also in Fahrtrichtung betrachtet: RTC 7043 für das bottom PTO und RTC 7088 für die hydraulische Winde zum Anbau ans direkte PTO Loch. Die alte Ausführung der Hydraulikpumpe, wie ich sie habe, kann leicht von Links- auf Rechtslauf umgebaut werden, indem man sie öffnet und das treibende und getriebene Pumpenzahnrad miteinander vertauscht und wieder zusammenbaut. Inwieweit das bei RTC7043 und RTC7088 möglich ist weiß ich nicht.

Weitere Hinweise:

Zur Abdichtung des bottom pto werden drei O-Ringe benötigt, die in der Stückliste (parts list Seite 3) nicht näher bezeichnet sind, es handelt sich um gängige Größen in Zoll-Abmessungen:

Position 11: 22,4 mm x 3,55 mm

Position 12: 28,17 mm x 3,53 mm

Postition 36: 15,88 mm x 2,62 mm

Zur Neulagerung des bottom pto wird ein Lager (Pos. 20) benötigt: Hoffmann LS10V3 – gibt es noch neu zu kaufen.

Wenn die Lagerung des Zwischenrades (Pos. 8) defekt sein sollte so sind die Probleme größer, da aber das bottom pto meist lastfrei mit läuft, sollte dieses Lager für mehrere Fahrzeugleben halten.

Schwieriger wird es bei der Antriebswelle der Hydraulikpumpe der alten Ausführung: Die Welle ist lang, die Nadellager werden durch die permanenten Kräfte welche durch die Drehmomentübertragung des Antriebsstranges permanent auf Querkräfte beansprucht und laufen gerade dann, wenn der Abtrieb, also die Hydraulik, nicht eingeschaltet ist – also fast immer. Die Pumpenantriebe die als center pto gelaufen sind, dürften darum überwiegend schadhaft sein – vor allem bei der alten Ausführung.

Hier ist eine Reparatur mit Buchse und neuen Lagern möglich – die ich hier nicht im Detail beschreibe, denn dazu ist eine Drehmaschine und Erfahrung mit solchen Reparaturen erforderlich: Eine Buchse drehen, zwei Nadellagerhülsen INA SCE128 eingeschrumpft und in die Antriebswelle eingesetzt, ersetzt das alte, schadhafte Nadellager:

Wieder einmal ein Problem gelöst, das kaum einer hat, über das kaum einer etwas weiß und über das die wenigen die etwas darüber wissen, häufig leider nur schweigen.

Grüße

(Name des Scharubers auf Wunsch weggelassen)

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