Wintereinbruch

Wie jedes Jahr hole ich passend zur Jahreszeit diesen Artikel hoch. Ja, es kann schnell gehen in diesen Tagen: letztes Wochenende Grillen im T-Shirt dieses Wochenende Schneeschippen und Eiskratzen. Zeit also die Serie von Sommer auf Winterbetrieb umzustellen. Hier meine persönliche Checkliste:

Flüssigkeiten

Auch dieser Winter kann zumindest zwischendurch zornig kalt werden. Also schaut man nach dem Kühlmittelverhältnis. Im Zweifel einfach nochmal einen guten Schluck Frostschutz drauf drauf, oder mit dem Refraktometer aka Frostschutzmittelmessgerat bestimmen. Das gibt es in der ultra-lommeligen ADAC Mitgliederwerbungsprämienqualität und als Edel & Teuer-Präzisionsinstrument – beide Ausführungen tun für unsere Zwecke ihren Dienst.

Jedes Jahr gibt es diese Bilder von eingefrorenen Motoren. Die gute Nachricht: der Serien 2,25er ist ein solides Bauerntrampelherz. In der Regel kann der wie ein Bulldog durchfrieren und im Frühjahr wieder auftauen und an die Arbeit gehen, als wäre nichts gewesen. Muss aber nicht so sein. Es können wie beim Bulldog sowohl der Block oder der Kühler oder gleich beide reißen. Bemerkt man dass der Block (teilweise) vereist ist, dann auf gar keinen Fall starten, sondern den Wagen langsam(!) aufwärmen. Z.B. indem man die Garage über nacht heizt. Der einfachste Test ist kurz vor den Start den Kühlerdeckel zu öffnen und zu kontrollieren. Ist dort Eis, ist der Motor eingefroren und man startet nicht!

Auch wenn viele auf ihr Vintage Premium Oldtimeröl aus dem stylischen wie sündhaft teuren Blechkanister schwören, ich rate im Winter zu dünneren Ölen. 15W40. Die ohnehin nicht gerade von Ejaculatio praecox betroffene Ölpumpe tut sich durch die im Winter zäheren Öle noch schwerer und werkelt noch länger daran auch nur ansatzweise sowas wie einen Öldruck aufzubauen. Das ist ganz einfache Physik, die sich nunmal nicht um die materialfernen Kaufgründe kompensierender Großstädter und die Marketingtexte findiger Lieferanten kümmert. Jeder der es nicht glaubt möge im Sommer mal den Ventildeckel abnehmen und zählen bis der an den Kipphebeln Öl sieht. Und sich eindringlich die geysirhafte Erruption vor Augen führen, mit der das Öl müde aus den Kipphebeln rausglubbt. Und dann überschlägt man grob, wie es wohl aussieht, wenn das Öl nicht superflüssig bei sommerlichen plus 20° sondern honigzäh bei minus fünf Grad da durchgepresst wird. Als Alltagsfahrer wiederhole ich mich gerne an dieser Stelle: in die Serie kommt ganzjährig 15W40 aus dem Baumarkt, welches man jährlich wechselt. Falls man im Sommer 20W50 fährt, dann kommt im Winter 15W40 rein. Jeder Cent mehr ist vorrangig dem Gefühl nicht aber der Physik oder der Qualität geschuldet.

Zu den Flüssigkeiten gehört auch das Wischwaschwasser. Daran erinnern sich die meisten erst, wenn sie auf der Autobahn im Winter eine spontane Vereisung der Sicht erleben. Also auch hier für ausreichend Frostschutz sorge tragen. Bei der Gelegenheit kann man auch die rissigen Wischer gegen irgendwas mit annähernder Reinigungswilligkeit austauschen. Gerade im Winter ist man froh, wenn die kleinen Sichtfelder so sauber und so klar wie möglich sind. Das Licht des Gegenverkehrs bricht sich glitzernd  in dem Schlierendreck und man fährt ins nichts. Auch sollte man sich diesen Winter überlegen, ob man nicht endlich mal im nächsten Sommer die alten verkratzten Scheiben gegen neue austauscht. Aus Erfahrung: diese Maßnahme erhöht den Dämmerungsfahrkomfort auf gefühltes Neuwagenniveau.

Licht

In die 7″ Töpfe gehören Osram Nightbreaker. Mehr legales Licht gibt es für eine H4 Fassung nicht und bei gerade mal 6 Euro pro Brenner gebe ich hier eine persönliche Empfehlung.

Wenn die Batterie sich schon jetzt seltsam anlässt, dann ist es höchste Zeit diese zu tauschen. Neben dem sattsam bekannten lallenden Wuonk-Wuonk des an einer strebenden Batterie hilflos saugenden Anlassers ist das lastfreie ausgekuppelte Hochdrehen desselben ein sicheres Zeichen, dass nicht etwas mit dem Anlasser, wohl aber mit der Stromversorgung im argen ist. Dies kann entweder eine defekte Batterie oder eine defekte Masse sein. Noch ist tagsüber ansatzweise sowas wie Hofschraubertemperatur, hartgesottene Profis warten natürlich in Sorge um ihren Ruf bis das Quecksilber unter 10° Minus fällt, bevor sie daran gehen.

Vergaser

Sommer/WinterbetriebseinstellungDie Zenithvergaser und einige andere lassen sich von Sommer auf Winterbetrieb umstellen. Dafür muss die Koppelstange für die Beschleunigerpumpe auf das obere Loch gehängt werden. So bekommt der Motor beim Druck aufs Gaspedal mehr und länger zusätzlichen Sprit. So läuft der Motor bei kalten Temperaturen williger, säuft aber auch mehr. Allerdings säuft die Möhre im Winterinnenstadtkurzbetrieb ohnehin zwischen 18 und 25l, also fällt das nicht weiter auf. Der normale Serienfahrer tankt als Gewohnheitsstoiker ohnehin eh, wenn der Tank leer ist und hat für die artifiziellen Mikroverbrauchsdiskusisionen des automobilen Pleps selten wenig mehr als ein Schulterzucken übrig. Bedenklicher stimmen sollte der Umstand, dass das öl sich auch schneller verdünnt. Die Brennkammern mit Sprit zu fluten bedeutet eben auch mehr unverbrannten Sprit, der problemlos an den Ringen vorbeiwäscht. Aber verständige und der Technik zugewandte Seriehalter wechseln eh jährlich die Öle, bzw. schauen ständig danach.

Reifen

Eigentlich versteht es sich von selbst, uneigentlich nicht für viele Seriefahrer: geeignete Puschen für den winter. Um es gleich vorweg zu nehmen: MTs und grobe Armeeprofile sind keine geeigneten Winterreifen. Und das ewige Argument, ich fahr den seit zig Jahren im Winter verfängt ebensowenig, wie der Hinweis dass da eine Schneeflocke drauf ist. Schneeflocken sind auch auf den Kinderparkas, die trotzdem keine geeigneten Winterreifen sind. Klingt wie ein bemühter Vergleich, deutet aber in die richtige Richtung: Das Symbol auf dem Reifen hat nachgewiesener Maßen keine Aussagekraft. Fakt ist, dass man wenigstens irgendwas mit Lamellen aufziehen sollte, will man im Winter mehrheitlich halbwegs kontrollierbar zum Stehen kommen. Auf groben Stollen rutscht es sich formidabel bei harten aber seifigen Grund. Dass weiß jeder aus dem Gelände, viele leugnen diese Eigenschaft aber für die Straße. Der Grund dürfte in der Optik zu suchen sein. Wer also lieber heil als stylisch durch den Winter will, zieht Reifen mit Lamekllen auf. XPCs, Nopkkians, etc.

Heizung/Lüftung CBU

Ein kleiner Kragen aus Gewebeband um den Einlass des Lüfters geklebt bringt spürbar mehr Leistung. Dafür schraubt man das Lüftergitter an der Kotflügelkante ab und holt den Schaumstofftrichter raus. Nun kann man den Metalkragen am Lüftergehäuse sehen. diesen verlängert man mit einem Ring aus Klebeband nach innnen zum Schaufelrad. Luft ist wie Wasser, lieber dreht die sich lastfrei im Wirbel um das Lüfterrad, als dass sie sich ins innere der Heizung pressen lässt. Mit dem Kragen wird der Verlustwirbel unterbunden und es kommt mehr an den Scheiben an.
Ein deutliches Plus dessen, was an die Scheiben kommt erreicht man, wenn man die Düsen im Kniebereich z.B. mit Handschuhen verstopft. Der Lüftung ist es oft weitgehend egal, auf welcher Stellung der Hebel steht, sie bläst immer einen Teil in den Fußraum. Schnell freie scheiben ist aber wichtiger als angewärmte Scheimbeutel an den Knien. Auch hilft es, wenn man die Anschlüsse der Luftschläuche im Handschufach oder hinter dem Amturenbrett mit Gewebeband umwickelt. Damit werden sie a.) am rausrutschen gehindert und b.) sowas wie ansatzweise dicht. Wenn die Heizung nicht analog zur Anzeige der Wassertemperatur anzieghen will, ist entweder der Wärmetauscher dicht, oder nicht im Kreislauf. Letzteres kann an dem Ventil, vorne am Motor liegen. einfach mal schauen, ob der Baudenzug das bei „Ganz Auf“ auch „Ganz Auf“ stellt. Oft genug wird das Ventil gerade mal zur Hälfte geöffnet.

Upgrades

Sehr empfehlenswert ist im Winterbetrieb das Mützchen. Das kann man kaufen, oder selber machen – je nach persönlichem Gusto. Ich mache das – CBU rulez – natürlich selber,

Die
Motorvorwärmung gehört auch in die Klasse der unbedingt empfehlenswerten Upgrades. Es gibt zwei Sorten, die einen werden aussen in den Kühlkreislauf eingeschleift, die anderen werden direkt in den Block eingesetzt. Man kann die sogar noch neu kaufen. Ich persönlich habe bei ebay für kleines Geld einen Vorheizer aus DDR Beständen verbaut. Der Motor springt auch bei Minus 10° C wilig auf den ersten Dreh an, wenn man eine  halbe bis dreiviertel Stunde vorher daran dachte den Strom einzuschalten. Beides Systeme laufen mit 220 V, bedingen also das Vorhandensein einer Steckdose in Reichweite.

Auch sehr günstig und schnell verbaut ist die Termotasche für dei Batterie. Ich bilde mir ein, dass es was hilft, beweisen kann ich es nicht.

Betriebstipps

Der Motor altert in keinem anderen Betriebszustand so sehr wie beim Starten. Dies um so mehr, je kälter es ist. Also unbedingt darauf achten, sanft anzulassen und ihn bis er warm ist mit sensiblen Gasfuß umschmeicheln. Auf kaltes Vollgas steht nunmal der frühe Motortod. Am besten erstmal ein paar Minuten lang lastfrei im Stand laufen lassen und auf Tempereatur bringen. In der Zeit kann man die Scheiben freikratzen und den Schnee von Haube und Dach holen. Wenn der Maßnahmenachbar darob schimpft fahrt ihr verständig mit dem kalten Motor bis just vor seinen Wagen und würgt die Kiste genau dort ab. Dann macht ihr Entschuldigungen murmelnd die Haube auf und geht ins Haus – vorgeblich um Werkzeug zu holen. Natürlich schenkt ihr euch nur eine warme Tasse köstlichen Kaffees ein, um hinter der Gardine den ausflippenden Nachbarn bei der Erfüllung seiner Bestimmung zu beobachten. Ganz so wie eine Insektologe mit Hingabe und Begeisterung bis dato unbekannte Verhaltensmuster einer altbekannten Speziels beobachtet. Wenn er zu schreien anfängt ist es Zeit für eine zweite Tasse, da geht dann noch was. Wenn er aber zum Telefon greift solltet ihr zügig nach unten gehen, und den Wagen ans Laufen bringen. Denn nun ruft er die Polizei oder gleich das Militär um diese für einen Nuklearen Erstschlag vor seiner Einfahr anzubetteln. Man sei ja schließlich Steuerzahler. Beim nächsten Mal wird der Nachbar zwar gewohnt böse gucken, aber im Zweifel lieber losfahren, als nochmal mit euch zu diskutieren.

Rating: 5.0. From 2 votes.
Please wait...

9 Comments

on “Wintereinbruch
9 Comments on “Wintereinbruch
  1. Welchen Tee bevorzugst Du?

    No votes yet.
    Please wait...
    • Warmen

      No votes yet.
      Please wait...
  2. „Ich persönlich habe bei ebay für kleines Geld einen Vorheizer aus DDR Beständen verbaut. Der Motor springt auch bei Minus 10° C wilig auf den ersten Dreh an, wenn man eine halbe bis dreiviertel Stunde vorher daran dachte den Strom einzuschalten. Beides Systeme laufen mit 220 V, bedingen also das Vorhandensein einer Steckdose in Reichweite.“

    Hallo Guido,
    so ein Teil ist mir auch über drei Ecken zugelaufen. Fa. Famos.
    Kannst Du mir helfen und sagen, wo man das Teil am gescheitesten in die Serie einbaut?
    Was ist mit Thermostat, Wapu?
    Bist Du zufrieden mit dem Ergebnis?
    Ich möchte das Ding in meine SIII SWB Bj82 Petrol 5fach-gelagert reinzimmern.
    Viele Grüße!
    Sirko

    No votes yet.
    Please wait...
    • Da es ein Konvektionsgerät ist, also ein Gerät welches nicht mechanisch pumpt, sondern die Physik nutzt der zu Folge Wärme aufsteigt, ist der tiefste Punkt der beste Punkt. Im Fall der Serie der untere Schlauch zum Kühler. Dort habe ich meine Famos. Das anstecken des Stromkabels ist natürlich doof, weil man die -schneebeladene Haube- öffnen muss und der Punkt eben sehr tief liegt. Da kann man sich aber eine Dose an die Außenhaut legen.

      Thermostat und wapu sind hiervon unbetroffen.

      Ich habe eine 750er und bin leidlich zufrieden. Eine 1KW Version wäre sicherlich besser, aber ein geschmeidiges Anlassen ermöglicht auch die 750er. Noch besser wäre eine Version die über den Froststopfen direkt Block und Öl erwärmt.

      No votes yet.
      Please wait...
  3. Tach auch der Prof.
    Das ist ein schön getexteter Faden zur Wintervorbereitung ……

    🙂 Ralf

    No votes yet.
    Please wait...
  4. Guten Morgen
    sagt ihr mir bitte wo sich dieser Froststopfen befindet.
    Gruß Peter

    No votes yet.
    Please wait...
  5. Seitlich am Block sind mehrere runde Vertiefungen. Das sind eingesetzte Blechdeckel – eben die Froststopfen.

    Grüße

    No votes yet.
    Please wait...
  6. Warmlaufen lassen ist nach fast allen Quellen die ich im Internet gefunden habe nicht gut für den Motor. Sanftes Warmfahren, das Beste für den Motor… Der Motor erreicht deutlich schneller Betriebstemperatur, und verlässt schneller den Verschleissintensiven kalten Bereich. Es gerät weniger Treibstoff an den Kolbenwänden entlang ins Motoröl.
    http://www.autoscout24.de/themen/kfz-technik/antrieb/motor-im-stand-laufen-lassen-konsequenzen/

    Oder gibt es da etwas Serie-spezifisches das ich übersehen habe?

    No votes yet.
    Please wait...
    • Das Öl braucht beim 2,25er so schon Ewigkeiten, im Winter und wohlmöglich noch mit LR konformen 20W. Im Prinzip stehen hier zwei Dinge gegenüber: Verschleiß und Temperatur. Im Stand dreht er langsamer, also schonender, braucht aber länger um auf Temperatur zu kommmen. In Bewegung kommt er schneller auf Temperatur, verschleißt dafür schneller.
      Zudem: Ich kenne keine Serie die kalt losgefahren etwas anderes als Vollgas bei Choke will um sich auch überhaupt nur bewegen zu wollen. Es kommt also auch auch noch mehr unverbrannter Sprit in die Kammern.
      Abgesehen von den motorspezifischen Aspekten: Sobald man sich in der Nähe von Zivilisiation bewegt gibt es kein sachtes Warmfahren: man hat sofohrt mit den Gegebenheiten einer kalten unwilligen, leistungsverweigernden Serie im Verkehr zu tun. Man wird da nicht gefragt ob man sachte warmfahren will, man muss den Motor schon beim ersten Einfädeln kalt hochjagen, will man nicht zur Verkehrsblockade werden. Ich brauche im Verkehr eine Serie, die auch bereit ist Leistung abzugeben, das ist eine Serie mit warmen Motor.

      Rating: 5.0. From 1 vote.
      Please wait...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.