Quartett G4: Bates of Evesham FC

 

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Als der Karosseriebauer Bates of Evesham mit den Löschgruppenfahrzeugen auf Basis des 109 Forward Control anfing hinkte er der Zeit in absolut jeder Hinsicht hinterher. Das Konzept war eine abgelegte Idee von gestern. Carmichael hatte aus den 109 Forward Control jahrelang die FT/6 Feuerwehren gebaut. Nun hatten die britischen Feuerwehren im Lauf der Zeit ihre Struktur und Taktik geändert und verlangten mehr nach Range Rovern oder echten LKW. Man fuhr jetzt in mehreren dafür spezialisierteren Einheiten los und auch kleine Wachen hatten jetzt mehrere Fahrzeuge. Die Zeit für kleine geländegängige Pumpen mit Platz für eine ganze Löschgruppe samt Ausrüstung als Allinone Standard auf dem Land war vorbei. Und weil das in Summe noch nicht veraltet genug war, hatte man sich vertraglich zur Auslieferung von einem halben Hundert 109FC Feuerwehren verpflichtet – leider ein Jahr nach Ende der 109 FC Produktion. Insgesamt wurden 1973 bis 1978 ca. 52 bis 55 Einheiten an die Nordirische Feuerwehr ausgeliefert, die sich dagegen nicht wehren konnte, da sie unter britischer Verwaltung stand (und die war gerade auf Nordirland nicht wirklich gut zu sprechen). Land Rover hatte jedoch keine Forward Controls mehr und auch keine Karosserieteile und keine Chassis. Vertrag ist jedoch Vertrag, auch wenn er in jeder Hinsicht sinnfrei ist. Also tat man, was Land Rover nie tat, man baute den 109 Serie III Forward Control. Da man den 109 1ton als Basisfahrzeug nahm, erhielten diese FCs wenigstens einen halbwegs tauglichen Motor für das zu schleppende Gewicht . Aber man verpasste die Erfahrungen mit dem Sechszylinder in der Karossie aufzugreifen und verhauste den wartungsanfälligen und servicefordernden Motor wie einen klaglosen „betanken und vergessen“ Vierzylinder. Die Konkurrenz den Carmichael hielt jahrzehntelang den Vierzylinder für die FCs als ausreichend entschleunigt. Wahrscheinlich um sicher zu stellen, dass auch wirklich jede frühzeitig gemeldete glimmende Kippe bis zum Eintreffen der Feuerwehr einen lohnenswerten Vollbrand abgibt. Geld gibts fürs Löschen, nicht für Spazierfahrten. Aber immerhin: auch die Vierzylinder kamen irgendwann an. Und das relativ garantiert auch bei Schnee, Eis und Kälte. Ungewartete Sechszylinder kommen nach kurzer Standzeit nichtmal aus eigener Kraft aus dem Stützpunkt. Aber wenn man schonmal dabei ist eine Serie III 109 FC zu bauen kann man natürlich auch ein paar eigene Ideen umsetzen. So kamen diese Fahrzeuge auf den zur original 1ton Bereifung eher handlichen 7,5ern daher. Bodenfreiheit wird bei Geländefahrzeugen maßlos überschätzt, das ist allgemein bekannt. Statt des auf Kraft übersetzen 1ton Getriebes gab es ein Straßengetriebe. Wozu auch Kraft, ist die Feuerwehr vollbeladen mit Wassertank und Mannschaft nur knapp vier mal so schwer wie ein normaler 109er. Und statt der verstärkten Achsen orderte man für vorne normale Roverachsen.  Wahrscheinlich hoffte man auf ein regelmäßiges Servicegeschäft, wie das gesamte Bates of Evesham FC Projekt mehr nach einer Finanzoptimierungskiste, denn nach einer allgemein nützlichen Idee riecht. Oder man wollte sich irgendwie dann doch ganz zeitgemäß zeigen und keine Geländefeuerwehr mehr bauen. Nun, es ist mir vielleicht aus gutem Grund nicht bekannt ob Bates of Evesham nach dem kastrierten 1ton FC überhaupt noch Feuerwehren baute, oder überhaupt irgendwas. Wer weis dass schon, Google jedenfalls schweigt hierzu.
Liebling, ich habe die Feuerwehr geschrumpft – Die Feuerwehr im Bild wurde 1978 an den Flugplatz in Tees ausgeliefert und nach der ersten Probefahrt wegen vollständiger Untauglichkeit wieder an den Hersteller zurück geschickt. Kein Wunder, denn mit dem 109FC sollte eine ausgewachsene doppelt so hohe, lange und breite Green Goddess Feuerwehr ersetzt werden, sowas passiert, wenn man nach Bildern und nicht nach Kleingedrucktem einkauft. Man besprach sich und Bates of Evesham baute die Feuerwehr zur Ambulanz um. Allerdings behielt die „neue“ Ambulanz die Truppnummer 5, wie schon vor ihr die Green Goddess, wohl aus Sentimentalität. Heute ist Fahrzeug No. 5 ein Flugfeldlöschfahrzeug in der Dimension einer Reihenhauszeile. Das Bild zeigt den Zustand von 1979. Einen Nachweis für eine Verwendung nach 1980 gibt es nicht, wie auch alle Bates of Evesham Feuerwehren als nach der Zeit geborene nur verhältnismäßig kurze Zeit im aktiven Dienst waren.

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