Quartett E1:101FC Ambulance

101FC_E1Land Rover Quartett Serie Feuerwehr-, Sanitäts- und Polizeifahrzeuge: Guido bastelt sich seine Lieblingslandys, die er leider nie auf dem Hof haben wird als stylisches Autoquartett zusammen. Grafiker machen sowas zur Entspannung. Karte E1: die 101FC Ambulanz im Trim der UN Mission auf Zypern.
Ein Auto so unwirklich aus der Form gefallen, wie ein brachialer Metallklotz. So wie des namenstanzens befähigte Steinerschüler rechte Winkel fürchten, hatten die Entwickler dieses Containers eine panische Angst vor allem was auch nur ansatzweise harmonisch fließen könnte. „Nett ist ein No Go!“ stand als Devise in großen roten Lettern auf der Sichtbetonwand der Designabteilung, die wahrscheinlich zur besseren Einstimmung der Entwerfer den Charme und die Größe eines U-Bootbunkers hatte. Nichts, aber auch gar nichts an diesem Brute-Force-Design verströmt in irgendeiner Form eine andere Zuversicht, als die des schieren Matreriales. Als Scheinriese maßlos in Reinkultur, sieht der 101 doch auf Bildern aus wie ein übergroßer Seecontainer, geriert sich aber in Realita mit seinen zarten 4,2m Länge deutlich kürzer als moderne Familienkombis. Dabei freundlich wie ein Bunker verströmt diese Ambulanz die Nestwärme eines Kühlraumes in der Pathologie. Und obwohl der Berg auf den mächtigen 9,0er Stollen maximale Geländegängigkeit aussieht, wie das Manifesto Todo Terrano ist er eigentlich nur bedingt geländetauglich. Gut, er kann drehzahlbedingt ganz gut wühlen und Bodenfreiheit hat er wie eine Vorstadtgarage. Aber gerade mal zarte 60% (Prozent nicht Grad!) Steigung werden ihm attestiert, und das ist der Wert für die leichte, offene Planenversion. Und den erreicht der 101 auch nur auf griffigem Beton. Die Ambulanzversion dürfte diesen Limbo locker gewinnen und irgendwo bei 30% aufgeben, was in etwa strengeres Feldwegniveau ist. Zum Vergleich: die kleinen Serien schaffen 100% Steigung. Kopflastig wie der Denker von Rodin ist das Biest auch noch und die Bilder der bei Geländefahrt umgefallenen 101er sind in etwa so häufig, wie die Kanzlerin auf Pressefotos die Merkelraute macht. Typischerweise zieht der 101 auf einer moderaten Abfahrt mit losem Untergrund beim Bremsen quer um dann umzukippen. Daher wird die sichere Marschgeschwindigkeit im Gelände armeeseitig mit zornigen 20Km/h angegeben. Das eignet sich also nur um Hilfsbedürftige mit chronischen Krankheiten abzuholen, also beispielsweise Frontschweine, die an einem echt üblen Nagelpilz erkrankt sind aus der Gefechtszone zu bergen. Aber er hat auch wirklich nette Features: zum Beispiel einen V8, der nicht nur klingt wie ein großer, sondern mit seinen 3,5l den Blechwürfel tatsächlich über 100 Km/h katapultiert – vorausgesetzt irgendein Gehirnoperierter wagt dies auf dem einzigen Profil, das für den 101 verfügbar ist: den auf der Straße spiegelglatten querprofilierten Armeereifen. Aber bei allem maximal Sinnlosen korreliert unter Connaisseuren der Grad der Anziehungskraft mit dem Grad der Nutzlosigkeit. Daher erregen sich zwar viele Landroveristen leidenschaftlich in hochgradig artifiziellen Verbrauchsdiskussionen wenn es darum geht bei den 88ern den Verbrauch im Milliliterbereich zu drücken, wohingegen beim 101er, der sich ohne mit der Wimper zu zucken nicht unter 35l im Gelände durch die süchtigen Venen jagt, herrscht in der Community ein übereinstimmendes debiles Grinsen und goutierendes Gruppensabbern. Ist eine normale Serie schon keine Wahl der Vernunft, sondern ein Statement latent zivilisationsmüder Urbanisten, die damit versuchen ihrem latenten Wunsch aus ihrer mentalen Reihenhaustristesse auszubrechen Ausdruck zu verleihen, die 101 Ambulanz dürfte ihre Bibel, Gottes letztes Wort und das Hohe Gebet aller automobil Sinnentrückten sein. Zumindest verdammt nah dran.

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2 comments to “Quartett E1:101FC Ambulance”
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  1. Also so schlimm wie hier dargestellt ist der Brüllwürfel gar nicht, zumindest in der Version mit Flatterverdeck ist ein 101er durchaus ein Nutzfahrzeug! Baumaterial, Brennholz, Möbel,… Alles mögliche lässt sich mit dem 101 FC stilvoll durch die Landschaft schippern 🙂 Falls verbaut ist die Winde beim Holzrücken sowie beim Buchsbaum-Versetzen hilfreich.

    Und an Reifen gibt es auch mehr Auswahl als die Bargrips (die tatsächlich Scheiße sind). Mit den Michelin X (und dessen Derivate) wühlt man sich gediegen durch Matsch, Schnee und Sand. Auch nasse Straßen sind, bei bedächtiger Fahrweise, absolut sicher zu bewältigen.

    Gut, längere Strecken bei 40°C sind eine Qual, dafür ist der Klotz aber auch ein prima Schattenspender *lach*.

    Und wenn ich höre das ein modernen G-Wagen auch 22 Liter im Schnitt braucht, dann kann ich das mit dem über 40 Jahre alten Vergaser-V8 sogar unterbieten!

    So genug abgelästert, sorry Guido, aber das musste sein..

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  2. jaja, das war kein objektiver Autotest sondern eine humoristische Glosse. Wir wissen: Wenn man einen 101 auf dem Hof hat muss man ihn gegen jede Anwandlung von Vernunft verteidigen, sonst steht er nicht lange au dem Hof. *lach*
    Sinnlos geiles Geschoss eben. Ich bin jedenfalls immer ein wenig neidisch.

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