Santana|1980

85Werksbild Land Rover Santana 88 Station Serie III. Andere Länder, andere Sitten – Während die Werksphotos zur Einführung der Serie III in England zumeist darauf bedacht sind, den Spagat zwischen der Inszenierung als Arbeitspferd und dem dezent gehobenen Understatement  der Herrlichkeit britischer Landlords zu bedienen und damit den Mythos des klassenlosen Vehikels legten, bleibt man in Spanien eher im Bild: Das Auto für die Erfordernisse einer melancholisch ländlichen Tristesse. Grobe Verbindungswege, Mulis, enge Gassen, bröckelnder Putz – anders als die Industrienation England ist Spanien eben noch überwiegend bäuerlich-ländlich geprägt und lange genug arm, um nicht der alten Herrlichkeit nachzutrauern. England war da gerade mitten im Abschied vom globalen Empire zum Inselstaat in der rauhen Nordsee. Irgendwie da, aber auch irgendwie so wichtig wie Britney Spears und im wesentlichen ein Echo seiner selbst. Zumindest in soweit es den Land Rover anbelangt. In der britischen Serie III Werksbildwirklichkeit finden wir den Land Rover regelmäßig an allen Stellen des britischen Lebens vom Bauern bis zu Industrie, von der Hausfrau beim Einkauf bis zum Landlord bei der Jagd. Die Werbebotschaft: Der Land Rover ist nicht Teil des britischen Lebens, er ist das universelle automobil gewordene britische Leben. Einer für alle, womit Land Rover seinen alten Wahl- und Werbespruch „The most versatile Vehicle“ vom wandlungsfähigen Werkzeug zum vollständig imageneutralen Livestyle Statement fortentwickelt – zum soziokulturellen Formwandler unter den Automobilen. Zumindest haben sie es versucht. Wirklich klassenlos wurde der Serie Land Rover erst lange nach Auslaufen der Produktion, und das nur für die kurze Zeit in der sich verfügbare, billige alte Autos und deren Anhänger primär in ihrer Faszination für das Vehikel trafen, was sie nicht als solches wahrnahmen, sondern als Werkstattgespräche und Austausch von Reiseinformationen. Wahrscheinlich ist die Adressierung des Klassenlosen durch die Konsumenten nichts anders als die Botschaft das genau das noch nicht erfüllt oder bereits schon wieder überkommen ist.

Ganz anders, um aufs Thema zurückzukommen, Santana: Hier gab es in der Werksbildwirklichkeit der Serie III nur Arbeit und zur Abwechslung Land Rover auf dem Weg von und zur Arbeit oder durch Umgebungen in denen Arbeit mehr oder weniger dringend nötig wäre. Erst später versuchte Santana den Land Rover auch als ziviles, gar städterisches Fahr- besser Funzeug zu bewerben, dann zumeist als Freizeitfvehikel für die unbeschwerten Twens. Was ihnen in etwa so gut gelang wie eine robuste baskische Milchmagd den Catwalk zu dominieren im Stande ist. Dafür haben sie die höchste Dichte von Mädels an Auto-Motiven in der gesamten Land Rover Werbephotografie entwickelt – die klassische Rückzugslinie der Werbebranche: Wenn du nichts mehr aus Dir oder dem Produkt holen kannst, dann stell ein Huhn davor. Aber das kam alles erst Jahre nach diesem ehrlichen Bild eines ehrlichen Autos in erbarmungswürdig ehrlicher Umgebung.

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