Überholung der AVM Freilaufnaben

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Diese Anleitung ist für die abgebildete Freilaufnabe von AVM gedacht. Leider habe ich hier nur zwei unterschiedliche AVM Typen, den einen Typ eingebaut, den anderen Typ im Regal. Vom Prinzip her sind beide Naben aber gleich. So lässt sich diese Anleitung auch übertragen.

Zuerst solltet Ihr feststellen, welchen Nabentyp ihr habt. Wenn man weiß, ob die vordere Steckachse des eigenen Landys 10 oder 24 Zähne hat, weiß man welchen Reparatursatz man bestellen sollte. Die gibt es nämlich bei den einschlägigen Händlern für die 10 und 24 fach verzahnte Steckachse. Allerdings hilft der Reparatursatz nicht bei mechanisch beschädigten Freilaufnaben. Er besteht im Wesentlichen aus den benötigten Papier- und Filzdichtungen, O-Ringen, Schrauben, Muttern und Sicherungssplinten für zwei Freilaufnaben. Wenn ihr den Reparatursatz dann im Postkasten habt, könnt ihr endlich loslegen. Es ist eine leichte und überschaubare Reparatur. Ich habe ca. 1h für beide Seiten benötigt. Um vernünftig arbeiten zu können solltet ihr folgendes Werkzeug bereitlegen:

  • Einen Satz zöllige Innensechskantschlüssel (zwingend).
  • Einen Satz zöllige Maul-Ringschlüssel oder besser einen zölligen Steckschlüsselsatz.
  • Eine Wasserpumpenzange.
  • Einen Schonhammer, wenn es nicht anders geht auch einen Schlosserhammer.
  • Einen Satz Splinttreiber oder einen großen Blattschraubendreher.
  • Mehrzweckfett
  • Putztücher

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Nun geht es aber endlich los. Ganz wichtig, bei Arbeiten in der Nähe der Bremse würde ich im Zweifelsfall immer das Öl aus der entsprechenden Baugruppe ablassen, um die Bremse nicht aus Versehen zu verschmieren.

Dreht den Wahlschalter der Freilaufnabe auf die 4×2 Position. Löst anschließend die sechs Innensechskantschrauben und nehmt den Aluminiumdeckel, welcher den Wahlschalter beinhaltet, einfach ab. Ihr seht folgendes Bild.

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Der Aluminiumdeckel von hinten.

Jetzt könnt ihr den Sicherungssplint einfach entfernen. Werft ihn aber nicht weg. Ich habe die alten Splinte weiterverwendet, obwohl neue Splinte im Reparatursatz waren, da die alten Splinte besser passten und insgesamt stabiler waren.

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Ist der Sicherungssplint raus, könnt ihr die Mutter mit Hilfe der Wasserpumpenzange lösen. Bei festen Muttern benutze ich lieber einen Splinttreiber.

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Habt ihr die Mutter gelöst, kann das Freilaufnabengehäuse, nachdem die sechs Sechskantschrauben entfernt wurden, abgezogen werden.

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Hier ist das Gehäuse der Freilaufnabe entfernt.

Nun kommt der Teil, wo Ihr die Dichtungsflächen reinigen und notfalls abziehen solltet. Um die Dichtungsflächen abzuziehen, kann man sich für ein paar Euro ein Stück Edelkorund kaufen. Für solche Arbeiten benutze ich am liebsten die dreieckigen Stangen, die gibt’s in jedem gut sortierten Werkzeugladen. Ich benutze nur im Notfall diese bunte Dichtungsmumpe à la Holymar. Spätestens bei der nächsten Überholung werdet ihr für länger nicht aus eurer Selbsthasskammer kommen, wenn ihr die Reste der Dichtungsmasse entfernen dürft. Der Vorbesitzer meines Landys hat Dichtungsmumpe benutzt, es war kein Spaß die zu entfernen. Auf Reisen ist Dichtungsmumpe sicher gut zu gebrauchen, aber in der Werkstatt mache ich es lieber richtig. Eine fachlich korrekt montierte Papierdichtung hält das Öl ebenfalls da wo es hingehört. Ich fette Papierdichtungen, Simmerringe, O-Ringe oder Dichtungen im Allgemeinen vor der Montage ein, nicht nur weil ich das als ausgebildeter Industriemechaniker so gelernt habe, sonder auch weil sie sich dadurch leichter und beschädigungsfrei montieren lassen.

Da nun alle relevanten Flächen schön sauber sind, kann man mit der Montage anfangen. Dazu habe ich zuerst die grüne, runde Papierdichtung schön eingefettet und auf die gefettete Dichtfläche des Gehäuses (Dichtfläche Richtung Motor) gelegt.

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Nun noch den O-Ring und die O-Ring Nut schön gefettet und den O-Ring eingesetzt. Bei der Montage von mit O-Ringen versehenen Bauteilen, drehe ich die Bauteile bei der Montage leicht, um die O-Ringe nicht zu beschädigen, sprich abzuscheren.

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Ja, ich habe es in umgekehrter Reihenfolge gemacht. Aber die beschriebene ist besser, weil man die Papierdichtung nicht über den O-Ring frickeln muss.

Nun kann das Gehäuse der Freilaufnabe wieder in seiner ursprünglichen Position verschraubt werden.

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Schrauben fette ich vor der Montage übrigens leicht am Gewindeanfang ein. Dadurch bekommt man sie später besser wieder gelöst und das Anzugsdrehmoment wird schön gleichmäßig und korrekt erreicht. Es ist fachlich übrigens völlig richtig Schrauben vor der Montage einzufetten. Die beste Schraubensicherung (gegen Festigkeitsverlust der Verbindung) ist eine korrekt angezogene Schraube, dazu gehört auch das Nachziehen. Wo es richtig warm ist darf es auch Kupferpaste sein. Ich schweife ab, zurück zum Thema.

Nun noch die Filzdichtung schön fetten und montieren.

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Die Kronenmutter wieder montieren und mit ihr die Filzdichtung zum dichten bringen. Es reicht, wenn die Kronenmutter mit der Wasserpumpenzange angezogen wird. Um das letzte Stück bis zum Loch für den Sicherungssplint zu erreichen, darf man auch wieder einen Splinttreiber bemühen.

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In der sehr sparsamen Einbauanleitung von AVM wurde noch die originale Unterlegscheibe erwähnt, welche noch montiert werden soll. Mein Landy läuft problemlos ohne diese Unterlegscheibe, die Kronenmutter steht weit genug hervor um von dem Sicherungssplint gesichert zu werden, also habe ich die Unterlegscheibe als nicht unbedingt lebensnotwendig erachtet. Sprich ich habe sie weg gelassen. Ich hatte auch keine. Wenn ihr die Unterlegscheibe habt, baut sie doch einfach wieder ein.

Splint rein und dann ist man fast fertig.

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Jetzt zu dem Aluminiumdeckel. Die Dichtung für diesen Deckel musste ich leicht anpassen. Sie war offensichtlich für durchmesserkleinere Schrauben gedacht. Klar, ich hätte aus Dichtungspapier eine neue Dichtung schnitzen können, aber da war ich zu faul zu. Die Schrauben waren auch im Set enthalten. Sie waren zu klein und hatten einen Torxkopf, also ab in Ablage T.

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Nachdem auch diese Dichtung gefettet in der ihr zugedachten Position sitzt, kann man den Deckel wieder montieren und sich hoffentlich über dichte, funktionierende Freilaufnaben freuen.

 

Vor der Überholung habe ich daran gedacht, die Freilaufnaben einfach zu entfernen. Ein Gespräch mit einem Teilehändler, welcher das Reparaturset verkauft (32€), habe ich mich doch entschieden die Naben zu behalten. Laut seiner Aussage sparen die Freilaufnaben getestete 20% Treibstoff. In wie weit diese Tests jetzt aussagekräftig sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Das Reparaturset war unter dem Strich die günstigere Alternative um die Radnaben dicht zu bekommen, außerdem funktionieren die Freilaufnaben einwandfrei. Warum also entfernen? Nachrüsten würde ich sie nicht unbedingt, aber sie waren dran und sind es immer noch.

In diesem Sinne wünsche ich euch gutes Gelingen. 😉

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4 Comments

on “Überholung der AVM Freilaufnaben
4 Comments on “Überholung der AVM Freilaufnaben
  1. Die auf dem Bild gezeigte Frailaufnabe ist eine 405 oder 406 (10Splines oder 24 Splines).

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  2. Habe seit wenigen Tagen einen Land Rover Serie 3 Baujahr 1977 mit Freilaufnaben. Auf den Naben steht „on“ bzw. „off“. Meine Frage: In welcher Stellung sollten sich die Freilaufnaben im Normalbetrieb befinden ( on oder off) ?

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    • ON, immer ON. Ohne funktiert die Schmierung der Achse nicht richtig. Die braucht die Rotation durch das passive Mitdrehen. Bei der SIII ist das nicht ganz so dramatisch wie bei der SII. Die Freilaufnaben sind ein Kind des Ölpreisschocks, man dachte damit Benzin zu sparen. Immerhin haben sie einen Vorteil: Bricht die Halbachse, dann kann man in der Regel durch Entkoppeln weiterfahren ohne die Achse zerlegen zu müssen.

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  3. Danke für die schnelle Antwort

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