Carpatia 2013, oder „mit der Serie durch die Karpaten geschraubt“

Eine Serie versprüht den Flair von Abenteuer wie ein Duftbaum den Geruch von Kirsche im VW Golf.
Einziger Unterschied ist wohl, daß der Duftbaum irgendwann seinen Geruch abgegeben hat und bestenfalls noch modrig riecht bis er dann endlich im Müll verschwindet.
Die Serie dagegen verliert diesen Charme nie. Egal wie mitgenommen die vielleicht irgendwann aussieht, wird das Abenteuerfeeling dadurch sogar noch verstärkt. Ganz oben auf der nach oben offenen Adventureskala liegt vermutlich eine Serie 2, die seit 50 Jahren in Afrika durch den Busch fährt und innen nach Büffel riecht.
Da fragt dann keiner mehr nach „Scheckheftgepfelgt“ und „Anzahl der Vorbesitzer“ 🙂

Es war also klar, dass nach einigen Jahren Fahren und Schrauben mit der Serie eine Art Expedition her musste. Das war ziemlich genau vor einem Jahr.

Bei Blacklandy und verschiedenen anderen Foren findet man Berichte zu Serieexpeditionen.
Die Bilder der Serienexpeditionen (www.dieexpedition.de) hatten es mir echt angetan. Bücher wie „First Overland“, oder auch das von Christopher Many („Hinter dem Horizont links“) habe ich vermutlich mehrfach gelesen und „What the hell we are doing here“ von Murray Gough und Peter Travers kann ich ebenfalls nur empfehlen.

Ursprünglich stand Tunesien auf der Liste der möglichen Ziele ganz oben, wurde dann aber wegen möglicher Unruhen für’s Erste verworfen.
So war Rumänien das Land der Wahl. Da ich beruflich von Zeit zu Zeit die Gelegenheit habe nach Rumänien zu kommen, hatte ich hier die Möglichkeit im Falle von Schwierigkeiten Unterstützung zu bekommen.

Ja, und da alleine Fahren keinen Spass macht, hatte ich das im Freundeskreis etwas gestreut und so waren wir schliesslich 2 Serie-3 Landys, ein CJ5 Jeep und ein T3 Synchro.
Die Gruppe wurde letztlich noch durch einen MB100 ergänzt. Der war als Versorgungsfahrzeug ideal (Kühlschrank !), sollte dann im Camp bleiben und hatte ein Motorrad für’s Offroaden hinten drauf. Was aber ein vollbeladener MB100 im Gelände so zustandebringt mussten wir dann auch noch lernen ….

Es ging uns nicht darum ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Klar hatten wir einen Plan wo wir hinwollten, aber in erster Linie ging es uns darum mit den alten Kisten mal richtig Spaß zu haben. Und wenn es halt nur bis zum Bayrischen Wald gereicht hätte und wir dort wegen Reparaturen eine Woche Spaß beim Schrauben gehabt hätten wäre es auch ok gewesen.

Wie bei allem im Leben, lernt man auch hier dazu. Will man nicht zu viel Ärger haben, ist es wichtig dass das Team und die Fahrzeuge zusammen passen.

Unser Team war perfekt. Uns und das Equipment haben wir dazu vorab an einem Wochenende getestet und für ok befunden 🙂

Was die Fahrzeuge anbelangt, passte der MB100 nun so gar nicht zu den Anforderungen an unsere Tour. Der Plan war, dass der MB100 vor einer Offroadstrecke abgestellt werden sollte und der Fahrer dann mit dem Motorrad fährt. Das klappt hervorragend wenn man Tagestoueren aus einem Camp heraus macht.

Ist man aber unterwegs, müsste man an den Anfang der Offroadstrecke zurückfahren.
Klar das man das nicht immer will … und so wurde uns dieser Umstand später zum Problem.

Weiterhin sollten die Fahrzeuge natürlich technisch fit sein.
Einer unserer Landys wurde aber erst kurz vor der Tour gekauft. Ziemlich schnell stellte sich heraus, dass hier doch einiges an Wartungsstau aufgeholt werden musste. So wurden vor der Fahrt noch die Swivels, Bremsschläuche, Spurstangenköpfe und Radlager vorne getauscht.
Mehr war zeitlich nicht mehr zu machen und so mussten wir während der Fahrt noch die Benzinpumpe und den Verteiler tauschen. Im Prinzip keine grosse Sache wenn man alles dabei hat.
Klar wären wir für diese Ausfälle auch mit Buschmethoden weitergekommen, aber an Schraubereien hat es uns ohnehin nicht gemangelt 😉

Ausser den schon beschriebenen Ausfällen hatten wir noch einen defekten HBZ an meinem Landy.

Auch den hätte ich wohl vermeiden können, wenn ich beim Tausch meines Bremskraftverstärkers ein paar Wochen zuvor darauf geachtet hätte, daß ich den Bremspedalweg exakt so einstelle dass ich das Pedal nicht tiefer trete als vorher.
So hat sich vermutlich die Dichtung im HBZ nach und nach aufgerieben, so dass die irgendwann porös und durchlässig wurde.
Übrigens vielleicht auch der Effekt, weswegen beim Tausch des Geber- oder Nehmerzylinders meist auch das Gegenstück ein paar Wochen später seinen Geist aufgibt.

Die anderen Ausfälle (Steckachsenbruch) waren durch Überbelastung zustandegekommen und wären vermeidbar gewesen.

Bei perfekter Vorbereitung wären wir also vielleicht ganz ohne Schraubereien durchgekommen. Aber ehrlich gesagt war genau das daß Salz in der Suppe unserer Tour. Und da wir alle Spass daran hatten die Kisten immer wieder zu reparieren, war das einfach ein Teil der Tour.
So wie vielleicht die Animation in einem All-Inclusive Urlaub stand halt hier mal der Ausbau der Differentials an.
Während die eine Hälfte der Truppe sich um den Grill und der Kaltschalen gekümmert hat, hat die andere Hälfte geschraubt.
Einziger Unterschied zur All-Inclusive-Animation: Wir wussten nicht welche Schrauberei (Animation) die nächste sein würde 🙂

Das Thema Ersatzteile und Werkzeug habe ich lange gewälzt.
Um es gleich zu sagen: Meine Serie ist ein Ersatzteiljunkie. Vieles von dem was ich als Ersatzteil mitnehmen wollte, musste gleich vorab eingebaut werden nachdem es in der Werkstatt neben der Serie lag. Die Kupplungshydraulik zum Beispiel ging fast am gleichen Tag kaputt nachdem die Teile angekommen waren. So war die Serie bei Abfahrt dann so fit, wie nie zuvor.

An Ersatzteilen mitgenommen habe ich Steckachsen (wurde benötigt), Benzinpumpe (wurde benötigt), Verteiler (wurde benötigt), Kopfdichtung (nein, die wurde Gott sei Dank nicht auch noch gebaucht) und sonst noch einiges an Kleinteilen wie beispielsweise Unterbrecherkontakt mit Kondensator, Kerzen, Keilriehmen, etc.

Den HBZ hatte ich nicht dabei. Und so habe ich dann Sonntags abends um halb zehn (!!) bei Andy vom Landy-Depot angerufen. Der geht dann auch wie immer ans Telefon „Landy-Depot, Andy“ und ich frage nach Teilen. Ohne ein Anflug von Verwunderung weiss er exakt was er alles im Lager hat, versichert mir dass es früh morgens alles für einen Kurier (der letzte Mitfahrer unserer Truppe kam ohnehin mit dem Flieger direkt nach Rumänien nach) fertigmacht.
Meine Entschuldigung für den späten und ungewöhnlichen Anruf tut er mit einem „dafür gibt es ja die Notfallnummer ab“. Echt grosses Kino. Aber vermutlich hat es schon mehrere dieser Anrufe von Gleichgesinnten bekommen 😀

Ach so … und schon lernt man wieder mal 2 Dinge für’s Leben:
1. Es ist eine Mär, daß man die Teile die man mitnimmt nicht braucht 🙂
2. Falls ihr nicht wie ich mit sehr wenig Unterwäsche mehr wieder nach Hause kommen wollt, nehmt Euch ausreichend Lappen mit *lach*

Als erstes Camp hatten wir uns bei Erwin Sipos (www.westkarpaten.ro) eingemietet. Hier kann man auf seinem Hof campen (wir hatten ja alle unser Dachzelt drauf) oder aber auch ein Zimmer mieten.
Wir waren restlos begeistert von Erwins Gastfreundschaft und haben von ihm viele gute Tipps für Routen in der Umgebung bekommen. Wenn man nicht weiter durch Rumänien auf Erkundungsreise gehen will, kann man sehr gut sein Camp bei ihm aufschlagen und von dort aus Tagestouren unternehmen. In jedem Fall ist der Aufenthalt bei Erwin absolut empfehlenswert !!
Wir waren 2 Tage dort und sind dann weiter zur Transalpina und Transfăgărășan gefahren. Zwischen beiden Passstrassen gibt es auch eine lange Offroadstrecke, so dass man Offroad und Sehenswürdigkeiten verbinden kann.

Höhepunkt der Reise war ohne Zweifel unsere Weiterfahrt zur Transfăgărășan.
Wie schon geschrieben war der MB100 natürlich nie dazu gedacht im Gelände zu fahren. Trotzdem wollten wir unterwegs zum nächsten Camp etwas abseits der Piste fahren, und Bruno der Fahrer des MB100 hat seinen alten Boliden nicht geschont. So ging es zunächst über staubige Schotterpisten und schliesslich auf Rückerwegen durch den Wald. Anfangs war er nicht zu bremsen … dann haben es die Wurzeln und Baumstämme aber doch geschafft.
Es ging nicht mehr weiter. Wäre ja auch nicht weiter tragisch gewesen, wenn wir kurz vorher nicht eine sehr steile Passage runtergefahren wären. Naja, die Capstan Winde wollte ja auch mal ausprobiert werden…
Beim Versuch den MB100 (vollbeladen mit Motorrad, Staubox (von der bis jetzt niemand weiss was da eigentlich drinnen war), Espresso Vollautomat und sicher auch noch Whirlpool) rauszuziehen, ist mir dann letztlich die Steckachse gebrochen. Eigentlich war klar, dass das passieren würde, aber man versucht halt schliesslich alles um da gemeinsam wieder rauszukommen.
Wie im besten Hollywood Katastrophenfilm, zeigt das bis dahin beste rumänische Wetter was es drauf hat und es wird augenblicklich stockdunkel und schüttet wie aus Eimern. Die Staubpiste verwandelt sich zur Schlammwüste, Blitze schlagen irgendwo im Wald neben uns ein, mein Landy hält sich nicht mehr an der Steigung da die Handbremse nun nur noch auf die Vorderräder wirkt und so einfach runterrutscht. Also erneut Winde und meinen Landy hochgezogen.
Oben dann die Petromax angemacht und die Steckachsen im Monsunregen gezogen.
So haben wir dann an Ort und Stelle das Dachzelt aufgeklappt und im Wald übernachtet. Während ich am nächsten Morgen die Kardanwelle ausgebaut habe um weiterfahren zu können, wurde ein Bauer organisiert der dann den MB100 rausgezogen hat.
Ich glaube der hat schon öfters Fahrzeuge vom Rückerweg rausgezogen … aber sicher kein Wohnmobil!
Da ich vorsorglich Steckachsen mit dabei hatte, war der Spuk dann nach Ausbau des Diff (Stummel hatte sich darin natürlich verkantet) auch wieder vorbei und wir konnten weiterfahren.

Wir sind in Summe ca. 4200km gefahren, haben viel erlebt und gelernt. Über uns, die Fahrzeuge und das Land.
Rumänien bietet eine atemberaubende Landschaft und die Gastfreundlichkeit der Bevölkerung ist großartig.
Eine geniale „Erfahrung“ und sicher nicht die letzte Tour die wir gemacht haben.

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