High speed overhaul … oder… Fairey Overdrive überholen leicht gemacht

Nachdem Getriebe zwischenzeitlich zum Tagesgeschäft gehören und man nicht einmal mehr das Werkstatthandbuch dazu bemühen muss war es an der Zeit neue Herausforderungen zu suchen. Dino berichtete auf der Rückfahrt von Riol, dass seine Frontscheibe aufgrund ordentlichen Ölnebels der Prinzessin nun nicht mehr rosten wird.

Die wochenendliche Kontrolle macht den OD als Übeltäter aus. Insofern bemerkenswert, weil bei der letzten Getrieberevision die lächerliche Entlüftungsöffnung die von einem handelsüblichen Splint geziert wird mittels Bremsnippel und Schlauch verlegt wurde. Bekannt war mir, dass die Simmerringe vom Output-shaft hin sind und munter Öl aus dem Getriebe gezogen wird. Dies ist ein übliches Schadensbild. Der OD leidet in der Regel an zu viel Öl denn an zu wenig. Ausser es sind Dichtungen nach aussen beschädigt, dann läuft er natürlich leer.

Nach Ausbau des OD und einem damit zusammenhängenden kurzen Aufenthalt in medizinischer Behandlung war festzustellen, dass der Entlüftungsschlauch eingerissen war und das Öl dort seinen Weg gefunden hat. Vermutlich ist dies schon beim Einbau passiert, da beim Linkslenker die Handbremshebelwelle ziemlich eng sitzt. Also eigentlich schon gelöst. Dennoch der Beschluss die seit langem herumliegenden Dichtungen müssen nun verbaut werden. Das Problem ist, dass zum Einbau der Simmerringe das OD komplett zerlegt werden muss. Hier gibt es leider keine Tips und Tricks. Das Teil muss auseinander.

Entsprechende Sprengzeichnungen gibt es hier im Blog. Eine englische Anleitung findet sich bei nickslandrover.co.uk. Allerdings werden dort nicht alle Fragen beantwortet. Später hierzu mehr.

Im folgenden beziehe ich mich bei den einzelnen Teilen auf die hier im blog verfügbare technische Unterlage (http://www.serieblog.org/AAAB/fw811_8020.pdf)

Demontage

Nach Ausbau des Patienten sind zuerst die Abdeckplatte (11) mit den vier 1/2“ Schrauben (13) sowie der Ölmessstab (35) zu entfernen und das Öl abzulassen sofern nicht schon geschehen. Die Ölablassschraube (31) kann ruhig bleiben sofern bis dahin dicht. Anschliessend die Inbus-Madenschrauben (36) am hinteren Teil des Gehäuses ausschrauben. Die obere Schraube beschränkt den axialen Weg der Schaltwelle. Die untere stellt den Druck der darunter liegenden federbelasteten Kugel ein welche in die Kerben der Welle rastet. Danach die Schraube der Schaltgabel (26) entfernen.

Zum Ausbau der Welle ist noch die Frontplatte (21) mit dem dahinter liegenden O-Ring (20) abzuschrauben. Jetzt kann die Welle von hinten mit einem geeigneten Dorn ausgetrieben und die Schaltgabel herausgenommen werden. Wenn man das OD nicht ganz zerlegt sollte man den Messing-Gleitsteinen (25) erhöhte Aufmerksamkeit schenekn. Im Gegensatz zum Getriebe sind diese gesteckt und somit austauschbar. Optische Kontrolle auf erhöhten Verschleiss ist angezeigt.

Jetzt kann die hintere Abdeckplatte mit den vier 1/2“-Schrauben entfernen. Am besten geht das mit einem Schonhammer und seitlich nach hinten geführten Schlägen. O-Ring (7) ausbauen und erneuern. Jetzt sieht man den hinteren Teil der Hauptwelle welche durch Seegerringe gesichert ist sowie das entsprechende Lager.

Im Folgenden ist es erforderlich, dass die Vielzahl von Lagerscheiben, Nadellagern, Buchsen etc. in der Reihenfolge der Demontage aufbewahrt werden. Hierzu eignet sich ein Karton oder ähnliches.

Beginnend mit einem Seegerring, einer Abdeckkappe sowie einem weiteren Seegerring (2) stösst man auf ein Axialnadellager nebst den zugehörigen Anlaufscheiben (5). Achtung: bei gutem Befund die Anlaufscheiben auch mit der Laufseite weiter verwenden. Nicht drehen. Dahinter befinden sich eine oder mehrere Distanzscheiben (4). Über diese wird im Kapitel Zusammenbau detaillierter zu sprechen sein. Hier ist bemerkenswert, dass bei Nick die Distanscheiben hinter (in Fahrtrichtung) dem Axiallager sitzen. Bei mir und auch in der technischen Zeichnung sitzen diese davor. Ein Indiz, dass seines schon mal geöffnet war.

Vor dem Ausbau der Hauptwelle (38) den OD nach hinten kippen. Dann sollten zwei Distanzhülsen und ein Nadellager (3) herausgleiten. Wenn nicht, dann werden die nach Extraktion der Welle frei. Diese kann mit dem Schonhammer nach vorne aus dem Output-gearshaft (30) herausgetrieben werden. Gerne sitzt das etwas fester. Am Besten das Ganze auf einem Handtuch oder ähnlichem erledigen, da bei entsprechender Lage des OD auf einmal mehrere Bauteile frei werden. Da es sich mehrheitlich um Lager handelt ist demzufolge Sauberkeit und wenig mechanische Einflüsse gefordert. Ist die Welle frei OD nach vorne kippen und die zwei Nadellager nebst Distanzhülse (29) welche meist im gearshaft stecken herausnehmen. Das Axiallager und die Anlaufscheiben im vorderen Teil der Hauptwelle bleiben meist da wo sie sind.

Bevor man den Output-gearshaft ausbauen kann muss das Vorgelege (23) raus, da der auf den gearshaft aufgeschrumpfte Synchronring nicht daran vorbeikommt. Hierzu die Welle (24) mittels Zange ziehen. Bei mir konnte die mit Hand gedreht und mit einem Schraubendreher herausgehebelt werden. Achtung. Wenn die Welle gezogen ist kann es zu Unordnung im Gehäuse kommen da auf einmal nur lose Teile vorhanden sind. Das Vorgelege nach unten ins Gehäuse drücken. Der Gearshaft ist frei und kann nach vorne herausgezogen werden. Auch hier werden einige Teile frei. Insbesonder Vorsicht ist im Umgang mit der Synchroneinheit (16) geboten. Bekommt man diese nicht in den Griff verrückt der äussere Schiebering und die drei darunter liegenden federbelasteten Kugeln (18)sorgen für einen Nachmittag auf Knien in der Werkstatt. Zerlegt man diese auf der Holzterrasse sind die Kugeln weg. Don’t ask why I know. Tip: die Kugeln haben dieselbe Größe 1/4 “ wie die der Synchroneinheit des 1. I 2. Ganges aus dem Getriebe. Davon habe ich genug.

Vor der Synchroneinheit befindet sich abermals ein Axialnadellager mit Anlaufscheiben (14). In dem dahinter liegenden Input-gaer (21) ein Distanzring sowie die einzige Lagerhülse samt Nadellager (20). Die Lagerhülse hat ein Ölbohrloch. Es muss also vorgesehen sein, dass diese frei läuft. Bei mir hatte sich die festgesessen. Daher wurde sie soweit ausgerieben, dass sie sauber läuft.

Seegerring (2) des Antriebsrades entfernen und das Rad aus dem Hauptlager (1) treiben.

Nun kann das Vorgelege mit den diversen Lagern und Scheiben herausgenommen werden. Auch hier finden sich Distanzscheiben (4) in wechselnder Anzahl. Alles in der vorgefundenen Reihenfolge ablegen.

Das OD ist nun bis auf die Simmerringe (27) und das große Rollenlager (33) komplett demontiert.

Den kleinen Simmerring im Output gear bekommt man relativ leicht heraus indem man ihn von vorne mit einem Holz einseitig weiter nach innentreibt. Er kippt dann und kann von Hand herausgenommen werden.

 

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Einen etwas höheren Anspruch stellt der große Siri dar. Im original ist der noch mit Blechring und verdammt stabil. Hat man keinen entsprechenden Auszieher oder Schlaghammer zur Hand geht das auch indem man vom Gehäuserand nach innen rundum einen scharfen Meisel ansetzt und den Ring soweit schwächt. Vorsicht bezüglich des Gehäuses ist geboten.

 

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Instandsetzung

Überprüfung des Rollenlagers auf Gängigkeit, kratzfreien Lauf und Einlaufspuren. Dieses ist meist unauffällig. Im Bedarfsfall zu tauschen.

Themeneinschub Ersatzteile: der Fairey wurde noch längere Zeit von Superwinch produziert. RDS in USA hat bis 2011 noch OD’s neu zusammen gesteckt. Jetzt haben die noch einiges an Teilen. Allerdings zu happigen Preisen plus Überseeversand. John Craddock hat die Restbestände von Superwinch übernommen. shop4autoparts in UK hat noch einiges auf Lager. Ansonsten ist ebay.co.uk noch eine ordentliche Quelle. Generell ist praktisch noch alles vorrätig. Dinge wie Hauptwellen, etc. kommen preislich aber an ordentliche Gebrauchtgeräte heran.

Simmerringe, O-Ringe und Dichtungen ist Standard und immer zu ersetzen. Zu beachten gibt es vornehmlich den einbau des kleinen Siri’s. Dieser hat eine definierte Einbautiefe. Erkennbar an den Einlaufspuren auf der Hauptwelle. Hier gibt es eine ca. zwei cm. lange gehärtete Lauffläche. Ich habe die Tiefe der Dichtung vorab gemessen. Tips ist den neuen Siri ein wenig davor oder dahinter an eine „jungfräuliche“ Stelle zu setzen. Eintreiben kann man diesen am Besten mit der umgedrehten Hauptwelle inklusive eingesetzem clutch-sleeve (40). Somit ist verkanten oder schräger Einbau ausgeschlossen.

 

Freiberg am Neckar-20130804-00343

 

Hat man die Hauptwelle gerade in der Hand sollte man die Gleitbuchse im vorderen Teil checken. Das ist eine Messinghülse mit Kunststoffbeschichtung. Am Besten diese hinten auf die Hautwelle des Getriebes aufstecken und das Spiel testen. Die Welle muss sich gut drehen lassen. Zuviel Spiel heisst ersetzen der Buchse. Das ist etwas tricky und geht mit einem filigranen Innenauszieher leidlich. Problem der Neuteile. Diese lassen sich gut einpressen aber die Beschichtung ist zu dick. Ausreiben bis sie wieder gewaltfrei läuft.

 

 

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