TÜV–Die Serie Newbies Checkliste

Aus aktuellem Anlass mal eine Checkliste für die Vorbereitung der Serie, wenn man demnächst einen TÜV Termin hat.

Nur Gefahrensucher schüsseln mit einer nicht durchgesehenen Serie zum TÜV. Abgesehen davon, dass man sinnfrei Geld in den Sand setzt, ist die Attitüde nur das machen zu wollen, was der Mann in Blau findet schlechterdings wenig mehr als ein  Testat der Unreife. Die Unreife als verantwortungsloser Teilnehmer am Verkehr teilzunehmen, den man mit Menschen teilt, die zu Recht nicht erwarten, dass da jemand ohne Profil und Bremsen durch die Rushhour segelt. Die Unreife als ungeeigneter Halter eines historischen Fahrzeuges, weil man die Altautodiskussion anheizt, da jedes durchgefallene Auto in die Statistik kommt. Hat man dann ordentlich gesammelt kippen irgendwann der ADAC und Lobby der Fahrzeughersteller und Werkstätten zusammen mit dem Finanzamt das H für Fahrzeuge unterhalb des funkelnden Werksauslieferungszustandes. Dafür schon mal vorab Danke an jeden, der meint er fährt mal eben ohne Check zum TÜV, um zu wissen, was er tun muss. Und natürlich die Unreife, denn aller guten Dinge sind drei, auch bei den Unreifen, als unfähiger Fahrer eines historischen Autos. Denn das Fahren historischer Fahrzeuge bedeutet mehr als kaufen, hinstellen und Freuen. Der Betrieb impliziert Verhaltensweisen und Kenntnisse zu übernehmen, wie sie für Fahrer zu Zeiten des Fahrzeuges üblich waren. Dazu gehörte ein aus heutiger Sicht gehöriges Maß an technischem Sachverstand und Zeitaufwand hinsichtlich Funktion, Wartung und Reparatur. Die nun folgende Liste ist nicht vollständig, umfasst aber das wesentliche. Sie ist gut an einem Vormittag abzuarbeiten. Erfahrene Halter brauchen das nicht, weil sie das eh ständig machen – Ihnen reicht ein schneller Blick an die neuralgischen Punkte. Ist das immer so aufwändig? Jep, das ist eine Serie und als solche der automobil gewordene Wartungsstau. Alte Golfs werden gefahren, dann ausgesaugt und poliert. Alte Serien werden gewartet, gefahren, gewartet und dann repariert. Das ist eben so.

Die Vorbereitungen für den TÜV Termin sind folgende Gruppen einteilbar: Motor, Antriebsstrang, Räder, Bremsen, Lenkung, Elektrik und der Rest. Sie enthält keine Wartungshinweise und auch keine Anleitungen, es ist die reine Aufzählung dessen, was ist, wenn man zum TÜV muss.

Motor

Der Motor sollte gut eingestellt sein, die Kerzen rehbraun, und nach spätestens im warmen Zustand im Leerlauf nicht mehr nebeln. Der Motor ist äußerlich trocken.

Antriebsstrang

Die Kupplung hält, der Wagen ist schaltbar ohne Auffälligkeiten. Der Kupplungsschlauch ist rissfrei, Weder am Pedal, noch am Pedalfuß oder am Nehmerzylinder ist es nass. Die Kardanwellen haben weder an den Schiebestücken noch an den Kreuzgelenken Spiel. Die Abgänge zur Kardanwelle an Getriebe und Differentialen sind trocken. Die Manschette der vorderen Welle ist rissfrei.

Räder

Die Lager werden je Rad überprüft. Horizontal angepacktes Spiel weist auf defekte Radlager hin. Vertikal angefasstes Spiel weist in Richtung Swivellager / Lenkstockhebel. Nichts wackelt, wenn man zum TÜV fahrt. Die Pellen sind mit ausreichend Profil gesegnet und rissfrei. Irgendwelche nicht eingetragenen Rad/Felgenkombis sind nicht aufgezogen, sondern werden allenfalls als Muster mit zum Termin gebracht. Die Federn sind in Ordnung, die Federlager intakt.

Bremsen

Auf einer leeren Fläche legt man aus Tempo 30 eine Vollbremsung hin und radiert vier Streifen auf die Bahn. Die erzählen einem, welche Bremsen wie eingestellt werden müssen. Im Idealfall sind die gleich lang. Die Handbremse zieht nicht erst auf der letzten Raste und hält das Auto. Die Bremsleitungen sind nicht lackiert und frei von Rost. Auch Flugrost ist hier nicht gern gesehen. Tipp: einfach mit Stahlwolle abziehen. Die Schläuche haben keine Risse und sind elastisch. Alle Anschlüsse sind trocken. Das Bremsöl ist klar und kein brauntrübes Zeugnis von Missachtung und Unfähigkeit.

Lenkung

Die Lenkung weist nicht mehr als drei Finger Spiel auf. Die Lenkköpfe sind technisch In Ordnung mit rissfreien Bälgen. An Lenkrelais und -getriebe ist alles trocken. Die Lenkradsperre rastet ein, oder man hat eine Lenkradkralle an Bord.

Elektrik

Es immer von Vorteil, wenn es in der Fahrgastzelle und im Motorraum nicht aussieht wie im Kabelcontainer auf dem Kupferschrottplatz. Das Auge ist mit, die Sicherheit auch. Alle Lampen leuchten auch ohne das Mond und Uranus in Konjunktion stehen. Beliebte Schrauberkombinationen wie „der Warnblinker tut nur, wenn das Fernlicht auf Umkehrschub steht“ sind behoben. Natürlich hat man im Falle eines Importes keine britischen Streuscheiben, wenn man in Deutschland zum TÜV fährt. Die Hupe hupt. Ist eine Anhängersteckdose vorhanden, dann ist diese belegt und funktionsbereit, auch wenn keine Kupplung montiert ist.

Der Rest

Der Wagen ist sauber und keine Schlammölfangopackung. Der Wagen ist rostfrei. Der Rahmen ist lochfrei. Der Wagen ist trocken. Anhängerkupplungen haben entweder eine E Markierung oder einen Prüfstempel samt Prüfzeugnis. Im Zweifel abschrauben, die Dinger werden heutzutage eh nicht mehr zwingend eingetragen. Gasanlagen ziehen immer das besondere Augenmerk des Prüfers auf sich. Alle Schläuche sind nicht überaltert, Fittings und sonstigen Bestandteile sind im Idealfall blitzblank, nicht überlackiert. Typenschilder an Fahrzeug und an Anbauteilen sind lesbar. Die Fahrgestellnummer außen am vorderen rechten Federbein ist lesbar. Heckleitern haben eine Aussparung um das Nummernschild. Faustregel: Neue Schrauben haben wenigstens die Festigkeit 8.8, an einer Anhängerkupplung 10,9. Seilwinden sind abgedeckt, Rollenfenster ebenfalls. Will man sicher gehen hat das Ersatzrad eine Mütze. Die Frontscheibe ist frei von Steinschlägen. ggf. vorhandene Sondersignalanlagen sind immobilisiert und/oder Abgedeckt. Die vorderen Sitze müssen heutzutage feststellbar sein, also reichen beim strengen Prüfer die lommeligen Klappkissen der Serien bis zur Countyausführung nicht, es sei denn, man kann sie irgendwie fixieren. Außen- und Innenspiegel sind vorhanden heil wie im übrigen alle Gläser am Fahrzeug rissfrei sind.

Manche Prüfer

Manche Prüfer wollen Sonnenblenden sehen.
Manche Prüfer wollen Mützen auf Ersatzrädern sehen.
Manche Prüfer wollen Rückfahrscheinwerfer sehen.
Manche Prüfer wollen Sitze mit Kopfstützen.
Manche Prüfer wollen für das H den Auspuff nach rechts und für die Straßenzulassung nach links, wenn es ein engländer ist.
Manche Prüfer wollen manches. Es sind eben auch nur Menschen in einem Job, in dem man für gewöhnlich so viele Freunde bekommt, wie der ÖPNV Fahrkartenkontrolleur und der GEZ Mann. Der erfahrene Serierist baut sich schnell einen Prüfer seines Vertrauens auf, bei dem er dann tunlichst bleibt.

Fazit:

Eigentlich ist es kein Problem mit der Serie sauber durch den TÜV zu kommen. Das ist in etwa so gut möglich, wie eine trockene, spurtreue, stramm bremsende Serie zu haben. Die wenigsten Prüfer werden von BlingBling und Polish geblendet, allerdings lassen sich sich gerne von einem sauberen Motor und Unterboden begeistern. Wenn sie zudem merken dass der Halter mit Herz und Sachverstand bei der Sache ist und die Serie an regelmäßiger Wartung offensichtlich mehr als einen einsamen Laternenparkplatz oder Shampoo bekommt dann ist vieles plötzlich kein Problem mehr.

Rating: 5.0/5. Von 2 Abstimmungen.
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  1. so isses!

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