Cars II: Non Casted Heroes | Markus Muddy Waters

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Markus Muddy Waters begann seine Karriere als 0,75ton All Purpose Truck oder schlichter ausgedrückt: Rekrutenschaukel. Kein Spaß. Auch nicht für einen Land Rover. Zig Generationen von Rekruten versuchten mit ihm wenigstens vorübergehend der intellektuellen Überforderung militärischer Grundausbildung zu entgehen. Drillkompensation bedeutete für Markus: Vollgas durchs Panzerloch. Und dann kam der REME Wahnsinn: Lustloste Rekruten zerschraubten seine Eingeweide und kippten die Motorbucht warum auch immer mit swimmingpoolblauer Farbe voll. Nach dem REME Wahnsinn kam der Contractor Wahnsinn: noch lustlosere Zeitarbeiter zerschraubten noch lustloser, was die Rekruten noch nicht zerschraubt hatten. Die Regierung sah irgendeinen Vorteil darin. Und wenn es nur der war, endlich einen Schuldigen für die Wandlung von steuerbezahlter Funktion zu Restschrott benennen zu können (und gleichzeitig ein paar staatstragenden Freunden Aufträge zuzuschustern). Nur bei der blauen Farbe, da waren sie sich einig.
Bei einer Nachtschicht, als morgens gegen vier die frustrierten Schichtarbeiter endgültig von der Werkbank zum Schnaps übergegangen waren, flogen in Rahmen eines philosophischen Werktätigendisputes die sekundären Mermale des Werkstattkalendergirls betreffend ein Hammer in die eine und ein paar Zähne in die andere Richtung. Seither hatte Markus ein Loch im Alu, welches ihn aber vor der Schrottpresse retten sollte. Ein Vollblutverkäufer im 2000 km entfernten Süden Deutschlands konnte den dortigen Zahnärzten auf der Suche nach Stil und Authentizität an Hand eben jenes Loches glaubhaft versichern, dass es mit Markus um einem glorreichen Veteranen des 1. Golfkrieges und diverser ultrageheimer SAS Operationen handele. Markus sagte dazu in bester militärischer Ausbildung erstmal nichts. Klappehalten als 1. Kommissüberlebensregel. Und so ging Markus grundüberholt an den Szeneklemptner nach München. Grundüberholt bedeutete einmal auf dem Hof, falls möglich aus eigener Kraft rangiert zu haben. Mit kaputten Rahmen, 15 authentischen wie miserablen Lackschichten und gerade genug Kompression um sich aus eigener Kraft auf den Autotransporter zu schleppen erreichte er also die Schwabinger Villa und drängelte sich zwischen den wenig begeisterten Prosche, den verschnupten Bentley und den ohnehin grundfalschen Q7 des Kieferorthopäden. Der verlängerte flugs medizinisch indiziert die Spangenzeit einer für die Restaurationskosten ausreichenden Anzahl unglücklicher Schwabinger Teenager. Die Restauration führte beim Zahnarzt zu einer bösen Sehnescheidenentzündung, die er sich beim Ausstellen der Schecks zuzog. Er verkaufte sie bei seinen Golfplatzkollegen als Orden seiner Hände Arbeit, während er zwischen Feinkosthäppchen und Maniküre seinen staunenden Freunden die Ode vom authentischen manuellen Schrauben darbrachte. Das Glück eines Mannes, dass er nur beim Schaffen mechanischer Dinge zwischen Werkstattduft und Ratschenkasten erleben könne. So stand es zumindest in dem hochpreisigen Oldtimermagazin, dass er passagenweise flüssig guttenbergisierte und dabei geschickt wie glaubhaft die Erwähnung des Mechanikers vermied. Als er fertig war, erstrahlte Markus im glänzenden Wichs eines Offiziersfahrzeuges und in seinen Papieren fand sich tatsächlich der Eintrag „Ordonanzfahrzeug vom Bruder des Neffen, der 1972 just neben dem Ort wohnte, an dem Prinz Charles vorbeifuhr“. Ein Auto mit Klasse und Stammbaum also. Aber immer noch ein Land Rover, wie der Zahnarzt nach dem dritten Besuch der Schwabinger Eisdiele feststellte, als er beim schwungvollen Rückwärtseinparken nicht nur vor dem viel zu jungen weiblichen Zielpublikum spontan sein Gesicht, sondern auch der Porsche hinter ihm die Motorhaube verlor. Und einmal beim für den Szenezahnarzt bislang weitgehend ungewohnten Gefühl des Verlierens angekommen, verlor er spontan noch etwas: das Interesse an Markus.

Er verschenkte ihn an seinen Neffen, der ihn fortan wieder durchs Gelände prügelte um seinem langweiligen Leben zwischen Geld und Sinnleere zu entgehen. Aber Markus ist eben doch ein erfahrener Veteran: er liebt es in warmen Schlammbädern Überraschungspausen einzulegen und dem Filius zuzusehen, wie er fließend von Harte-Männer-Geländeadrenalin auf Pussy-Style-Verzweiflungsmodus umschaltet. Bevor er sein Altenteil damit erfreut all den vergeblichen Versuchen beizuwohnen, in denen der Filius noch stets erfolglos versucht, mit italienischen Slippern und hellen Hosen sauber ans rettende Ufer zu kommen.
„Get my Moto´working“ blubbert Markus selbstzufrieden, wohl wissend, dass man Authentizität und Klasse nicht kaufen, nur haben kann.

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2 comments to “Cars II: Non Casted Heroes | Markus Muddy Waters”
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  1. Hi Guido,

    weiter so, ist immer wieder schön zu lesen und zaubert einem ein grinsen ins Gesicht.

    Grüße,
    Viktor

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  2. Solche Zahnärzte gibt’s hier nicht. Oder hab ich was falsch gemacht? Warum bin ich nur nicht klischeekonform? Na ja, egal. Jedenfalls hilft die Erfahrung unzähliger Wurzelbehandlungen ungemein beim SELBERschrauben um auch über sieben Brücken, ähm, ich meine um sieben Ecken die verstecktesten Winkel im Landy zu erreichen, denn ein Scheckheft gibt mir meine Bank schon lange nicht mehr.

    bissige Grüße
    Dieter

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