Zicken, Schlampen, Ämter

Long Time no see, ich weiß. *seufz* Eigentlich hoffte ich diesen Artikel nie schreiben zu müssen. Nun denn, so sei es. Ja, ich bin eine Erzschlampe und alles, was ich nun zu berichten habe, wurde von meiner Schlampigkeit auf Knien herbeigefleht. Sühne für ein zügelloses Leben zwischen Lustschrauben und eisenoxidbedingter Vergänglichkeit. Was habe ich nicht die letzte Zeit in punkto Zicke zwischen Papierstapeln und Selbsthasskammer verbracht um genau diesen Artikel nicht schreiben zu müssen. Welchen Artikel? Diesen: ich habe das original V5 Dokument verschlampt! Irgendwo bei einem der letzten drei Büroumzüge ist es entweder in einem Aktenlager oder gleich beim Altpapier gelandet. Arrrgghhh! Zum Glück habe ich ein PDF. Nach Wochen der mentalen Vorbereitung und des immerwährenden Umgrabens derselben Papierstapel habe ich mir ein Herz genommen und mich in die Höhle des Löwen begeben: der Zulassungsstelle.

Natürlich bestens autosuggestiv vorbereitet: Ich bin ausgeglichen, ich weiß Ämter sind Deine Freunde, ich – durchdrungen von der Dankbarkeit, dass die Damen Ihren Job nur tun um mir zu helfen… Und so weiter. Ich habe sogar auf dem Weg ein Liedchen geträllert und mich redlich bemüht, nicht ständig in die klagende Weise von Enno Morricone zu verfallen. Nümmerchen gezogen, gleich dran gekommen, gutes Zeichen das. Ich lege die Kopien vor, schildere mein Ansinnen und frage was tun? Wie kann ich ein Auto ohne offizielle Papiere zulassen? Die sagen: H-Zulassung geht nicht. Das war zwar nicht meine Frage, irritiert lasse ich mich jedoch vom Pfad ablenken und will wissen warum. Tja weil das nur für dreißig Jahre alte Autos geht, und der Wagen sei ja erst 1973 gebaut worden. Als ich sie mit einem langen ruhigen Blick bedenke, in etwa so einem mit dem ein gestandener Kernphysiker eine fahrige Aushilfsgrundschulmathelehrerin anschaut, die ihm gerade vorrechnet, dass er sich bei seinem Nobelpreisexperiment grundlegend verrechnet habe. Als sich also mein ruhiger Blick bohrend bis zu ihrer Hypophyse vorarbeitet, wird sie unsicher. Sie tippt 1973 und irgendwas anderes in den Taschenrechner und zeigt mir triumphierend das Ergebnis: 28. Die Antwort auf meine nicht gestellte Frage ist also 28 und sie ist falsch.

Alarmsirenen schrillen durch die Bunkergänge meines diplomatischen Apparates. Ich will etwas von einem Amt und die dumme Nuss zwingt mich gerade ihr zu beweisen, dass sie nicht bis drei zählen kann. Und wenn ich das tue, muss ich umziehen, um das Auto zuzulassen. Ein Ausweg! Schnell! Generös 28 mit 38 gleichsetzen? Das wird nicht funktionieren. Mitten im Dilemma die Erkenntnis: Ablenkung! Hah! Die klassische Taktik! Die Schuld außerhalb des Systemes verorten, auf dass alle Anwesenden unter maximaler Gesichtswahrung zum nächsten Tagesordnungspunkt wechseln können. Genial. Ich rate ihr die Batterien ihres Taschenrechners auszuwechseln. Nun, sie macht den Mubarak und besteht auf Unfehlbarkeit. Zumindest die Unfehlbarkeit des elektronischen Helfers, und leitet damit umgehend wie öffentlich den Nachweis der eigenen blutigen Inkompetenz ein. Die Situation läuft aus dem Ruder. Ich versuche zu retten, was rhetorisch noch zu retten ist und sage, dass das gar nicht mein Problem sei, sondern die Zulassung ohne Papiere. Sie insistiert H ginge nur ab 30 Jahre. Ich seufze und irgendwie entgleitet mir die richtige Antwort: 38. Sie steht auf und bespricht sich mit einer anderen Sachbearbeiterin, ein dritte kommt hinzu, sie wedeln mit den Blättern, schauen zu mir rüber, als hätte ich mich irgendwie strafbar gemacht und tippen auf drei Taschenrechnern herum. Schön, endlich haben die was zu tun, aber das war alles nicht meine Frage.

Als sie zurückkommt versucht sie ein Lächeln und sagt, dass das mit der H Zulassung wohl doch gehe. Man müsse sich da eben vergewissern und bei den 70er Jahrgängen sind eben noch nicht alle H-fähig, wegen der 30 Jahre. Nicht dass die kompletten 70er längstens in der H-fähigen Zone sind. Auch wenn zwischen Aktenstaub und DIN Vorschrift die zeit stehen geblieben zu sein scheint, außerhalb dieser Mauern schreiben wir das Jahr 2011. Schätzchen. Aber dazu äußere ich mich verschlagen wie geistesgegenwärtig nicht. Ich werde das nicht diskutieren. Nicht mein Problem. Meine Cortex wabert und schlägt Blasen als wäre die Zulassungsstelle eine gigantische Mikrowelle, was sie wohl auch ist. Mikro ist die korrekte Beschreibung des mathematischen Sachverstandes und Welle ist ziemlich genau das was sich auch bei den kleinsten Anfragen ereignet. Ich versuche ein Lächeln und erkläre meine Situation abermals. Ja, nee, ohne original Papiere geht da gar nichts. Ich will wissen, wie eine Zulassung ganz ohne Papiere möglich sei. Das geht nur, wenn keine original Papiere vorhanden sind. Schon wieder fühle ich mich wie auf einem Kinderkarussell und entgegne, dass das genau mein Problem sei: keine original Papiere. Sie hält mir die Kopie entgegen. Ich sage Kopie. Sie fragt: woher ich die Kopie hätte. Ich sage, die hätte ich angefertigt, bevor ich die originale verloren habe. (Ich &%$§“!Schlampe! Wenn ich das überlebe will ich ein ordentlicherer Mensch werden. Doppelt geschwört!) Sie sagt: Aha. Nicht einfach Aha – nein ein Aha in der epischen Klangfärbung eines Staatsanwaltes der die gegnerische Verteidigung gerade mit einer in der Geschichte des Prozesswesens noch nie gesehenen Indizienkette fulminant überführt und stockvoll vor die Wand gefahren hat. Ein Aha, für das, wäre es einem Physiker im Labor über die Lippen gekommen ein Nobelpreis vergeben wird. Ich schaue sie an, sie schaut mich an. Raum und Zeit stehen still. Wir beide hören meinen Mund sprechen: „Es ist normal, dass verlorene Papiere von denen man Kopien hat erst nach dem Kopieren verloren gehen, sonst hätte ich ja weiße Blätter mitgebracht.“ Mein Mund lächelt, denn mein Mund weiß nicht wann es einfach mal Zeit ist die Lippen zusammenzupressen. Humor im allgemeinen und mein Humor im besonderen ist wie so oft der Anfang vom Ende jeder Freundschaft. Ich weiß. *seufz*

Nun, es bleibt dabei: Zulassung nur mit Originalpapieren, die müsse ich eben in England oder sonstwo besorgen. Eine Zulassung ohne Papiere geht nur, wenn ich keine Papiere habe. Ich aber hätte ja mal Papiere gehabt, daher geht dieser Weg für mich auf dieser Zulassungsstelle nicht. Jetzt lächelt sie. Das Gespräch ist beendet, wie ich merke da sie die nächste Nummer aufruft.

Ich habe jetzt zum wiederholten Mal die britische Zulassungsstelle DVLA in England angerufen und heute tatsächlich einen Menschen statt eines Automaten an der Leitung gehabt. Dem Akzent nach ein Waliser. Zumindest meine ich in dem was die Sprache nennen –was ich ohne weiteres mit dem gutturalem Blubbern eines Luftröhrenschnittes umschreiben könnte – deutlich einen Einschlag von Schaf gehört zu haben. Wahrscheinlich der britische Halbbruder von Mdme 28. Ich soll das ganze Mailen. Schön, hab ich ja erst viermal in zwei Monaten. Bislang ohne Antwort. Ja, über das Formular auf der Webseite. Das kann manchmal eben etwas dauern. Ein paar Monate, selten länger. Sowas lässt sich nicht beschleunigen. Ich solle einfach das Original nehmen. *seufz* Ich gehe dann mal wieder in meine Selbsthasskammer.

9 comments to “Zicken, Schlampen, Ämter”
9 comments to “Zicken, Schlampen, Ämter”
  1. 28, ich lach mich weg.
    Normalerweise geht das doch so (wie bei mir):
    Erklärung von Eidesstatt, dass die orginalen Papiere weg sind. Ich wurde aufgeklärt, dass sollte es doch Papiere geben, ich mich strafbar mache.
    Offizielle Anfrage ans KBA. Veröffentlichung der Fahrgestellnummer und Wahrung der Einspruchfristen. Nach sieben Wochen Bescheid bekommen, dass KBA-Anfrage negativ und ich soll doch vorbei kommen. Rechnung präsentiert bekommen, schluck. Ins Amtszimmer des Chefs gerufen, also nicht Schalter stehen und so. Ich dachte, was geht jetzt, war die FGNummer doch als gestohlen gemeldet und die nehmen mich jetzt mit? Nein, in Ebersberg macht der Chef die historischen Zulassungen persönlich, inklusive nettem Fachgespräch. Da sind die 160 Euro Verfahrenskosten für die Zulassung dann auch zu verschmerzen.
    Als Tipp für dich: Baldrian Dispert und Betablocker und nicht auf Hamas-Websites nach Bauanleitungen für Bombengürtel schauen.
    Ich will nicht in der SZ von einem durchgedrehten FHProf lesen der Geiseln nimmt, um eine H-Zulassung zu erzwingen.

  2. Du bist ein dreimal verfluchter Serien-Messie und sollst dafür in der Sagrotan-Hölle schmoren. Was soll ich dazu noch sagen. Soll ich die Zicke hier auf mich zulassen?

  3. Mannnnnnn….Sie sagt Dir eh wie’s geht.
    Geh‘ nochmal hin, arrangiere Dich mit einer anderen Dame und deklariere „keine Dukumente UND vor allem keine Kopien“.
    Peruecke und Saddamschnurrbart empfehlen sich von selbst.

    Im Ernst: Bei uns in OE wird eine eidesstaatliche Erklaerung abverlangt. Als ich diesen Sommer meinen Citroen DS vorfuehrte hat eine Frau 2 Vespas aus England so zugelassen.

  4. …Kühn – wie du heißt und bist – hättest du dem Madl auch erklären können, dass ihr Amts-Taschenrechner sicher auf Windows-Basis arbeitet und da kennt man ja allgemein das Jahrtausendproblem…das hätte ihr bestimmt eingeleuchtet und dann auf dem Papier das Ganze nachrechnen…

    THEORETISCH gibt es hier auf der Krim natürlich auch Gesetze, und zwar – wie in jedem Post-Sowjet-Staat – jede Menge davon. Zu ein und dem selben Sachverhalt habe ich es nicht nur einmal erlebt, dass es gleich mehrere Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen gibt und diese sich naturgemäß gegenseitig widersprechen. Den Raum zwischen diesen Paragraphen – die Fuge – muss dann mit etwas Geld an den Beamten gefüllt werden. Das wirkt wie ein Gleichrichter zwischen den verschiedenen Rechtsauffassungen und der Sachbearbeiter schlußfolgert urplötzlich: Sind zwei Gleichungen [die widrigen Gesetze] einer dritten gleich [das was du von ihm willst], so sind sie auch untereinander gleich ! Es entsteht eine neue Dimension: Willkommen in der REALITÄT ! :))

  5. Ich habe es schon einige Male gelesen, jedesmal ein Hit, vielen Dank.
    Das Gleiche könntest Du auch bei den schweizerischen Strassenverkehrsämtern erleben, Beamte sind Multikulturel und vermutlich ist es auch nicht lernbar sondern es handelt um einen Gendefekt.
    PS: das Buch werde ich auch kaufen

  6. Zulassungsstelle – für mich wie Nackenhaare HOOOOOOCH.
    Mir ist zwar bewusst, warum das so ist, führt aber letztlich nicht dazu, dass mein Blutdruckwerte in Richtung -> „Überdruckventil öffnet“ gehen. Ich bewundere Menschen, die das Gleiche erleiden und trotzdem gezielt den Mund halten können.
    Ich geh da ab, wie die Pfeife auf ner 01. Immerhin schaffe ich es vor dem Ausbruch bis 7 zu zählen.

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