by
on
under
tagged
Permalink

CBU-Confessing Bushmechanics Union

In irgendeinem der zahllosen Beiträge vom Typ Guido gibt Kante bei Blacklandy hab ich ganz nebenbei die CBU erfunden. Als bodenständige Antipode zum NOS fixierten Spares Highroller. Die CBU löst die wahre Verheißung der Serie ein. Sie ist sozusagen der Gralshüter des Solihuller Urversprechens und der Serieblog ist eine ihrer Kirchen.

Quod per Serium salvetur homo

Der Ruf der Serie als unkaputtbarer Retter in der Wüste, als unermüdlicher Weltenmrunder und auch als völlig fertige Leiche noch munter rumrollender Autozombie liegt mitnichten an der soliden Technik, deren man nur gewahr wird, wenn man am Stammtisch den Spezifikationen huldigend das original Manual mit Samthandschuhen aus dem Fauteuil zieht und sachte umblättert. Ganz gewiss nicht. Ganz gewiss schon ist hingegen der normal mit Vierzylinder ausgestattete Landy ein duldsamer vor allem stiller Leider. Die Kisten verzeihen die Abwesenheit von jeglicher Pflege Dekade um Dekade mit stoischer Ruhe und laufen auch dann noch, wenn aus den Motorräumen anderer Fahrzeuge längstens Birken wachsen – immer vorausgesetzt jemand denkt daran regelmäßig Öl nach zu kippen. Aber das ist nicht der wahre Grund für die Legende. Der wahre Grund ist die mit einfachsten Mitteln zu bewerkstelligende Wartung und Instandhaltung. Ja, es gab mal diese Zeit, als man die Anschaffung eines Fahrzeuges als Anschaffung fürs Leben betrachtete, nicht als modische Anomalie, derer man sich nach drei Jahren entledigt indem amn sie mit der nächsten Anomalie substituiert. Es gab mal eine Zeit, als man Autos tatsächlich gewartet hat. Und dass implizierte weniger die Fahrt zum Münzsauger und das Wechseln des Duftbäumchens von Karibik auf Zimt kurz vor Weihnachten. Heute haben Autos einen Defekt, wenn die Diagnosesoftware einen anzeigt. Früher hatten Autos Defekte, wenn sie einen Defekt hatten. Jeder Halter wusste sofort am Laufgeräusch, das das Gemisch mal wieder nachgestellt werden muss und griff im Anzug zum Schraubendreher. Heute holt man sich einen Termin in klinikartigen Servicebetrieben. Dort schlürft man zwischen Gummibaum und der Marken-Accessoireauslage einen Café Latte, während die Servicekraft vom Halter abgeschirmt hilflos mit dem Diagnosestecker dilettiert und hinterher die üblichen 5 Liter Markenöl mit auf die Rechnung schreibt, auch wenn nur das Blinkerbirnchen auszutauschen war. Nun heulen viele auf und stöhnen, dass man das gar nicht mehr selbst könne, weil die Hersteller vor die Wartung durch den Halter die verschlüsselte Elektronik und den Berg an nicht frei verfügbaren Spezialwerkzeugen selbst für allersimpelste Dinge wie Birnchenwechsel gesetzt hat. Dem entgegne ich: In einer Welt von Angebot und Nachfrage wird Sklave wer sich zum Sklaven machen lässt. Ihr wollt frei sein? Unabhängig? Nie mehr 175 Euro für einen miese Automatenlatte nach ellenlanger Wartezeit für den Tausch eines 50 Cent Birnchens hinlegen? Ihr wollt euch endlich am Stammtisch nicht mehr pussyhaft über Labels, Stile und Outfit unterhalten? Ihr merkt dass man sich mit dem Zücken der Kreditkarte nur erleichtern aber nie beweisen kann? Kinners: Kauft diagnosesteckerfreie Youngtimer, lernt schrauben.

So betrachtete Land Rover es dereinst selbst als völlig ausreichend mit wenig mehr als dem rudimentären Bordwerkzeug auf große Fahrt zu gehen. Ein paar Maul- und Rohrschlüssel, ein billiger Wendesteckphillips/Schlitzschraubendreher, ein für alles speziellere ein Engländer (Welch passender Name!). Das war es. Kein lommeliges Radkreuz, kein Hammer und auch sonst nichts von dem anderen Mist, den man heutzutage völlig sinnloserweise in Baumarktwerkzeugsortimenten für nichtschraubende Autofahrer finden kann. Was z.B. macht ein Rollmaßband im Autowerkzeugsortiment?! Ein Phasenprüfer? Bei den Serien hingegen findet sich nur was man braucht. Damit ausgestattet kann man nahezu alles an einer Serie wieder hinbiegen, was kaputt gehen kann. Das ist das Urversprechen, der Legendenkern. Um dies einzulösen bedarf es Verve, Geschick, Sachverstand und die Gabe aus dem zufällig in der Cubbybox flottierenden Müll Ersatz zu zaubern. Es ist das Paradies der Oldschool Tooltimer, der Fans von Apollo13. „Vergessen Sie die Vorschriften, wir haben nur das auf dem Tisch und nur 30 Minuten bis die Besatzung erstickt“.

Durch Beobachtung und Denken lernt man für Konsumabhängige und Markensklaven völlig abartig erscheinende Dinge. Zum Beispiel dass man eine Vergaserfußdichtung prima aus einer Milchtüte bauen kann, deren isolierende und thermische Eigenschaften der originalen mehr als gleichkommen. Vorteil der Milchtüte: Ich habe eine wenn ich sie brauche, im Gegensatz zur Vergaserfußdichtung, die nur die ängstlichsten der Seriehalter in der Cubbybox finden dürften. Der Märklinfraktion unter den Seriehaltern dreht es bei derlei Dingen ebenso die Augenbrauen um, wie die mentalen Ingenieure nicht müde werden die Unmöglichkeit einer Welt abseits der DIN Vorschriften Formel um Formel abzuleiten.

Dabei ist der Buschmechaniker kein Pfuscher, der das wartungsferne Leiden seiner Serie mit ostentativer Inkompetenz verschärft. Im Gegenteil die Serien der meisten Buschmechaniker sind besser in Schuss, als die der meisten Nur-Halter und Schraubenlasser, eben weil sie sich intensiver mit der Technik und weniger mit der Optik auseinandersetzen.

Einen Teil meiner CBU Lektionen werde ich wie gewohnt hier einstellen. Ihr habt auch was aus dem Busch? Schickt es mir, vielleicht packe ich es mit auf den Serieblog.

One comment to “CBU-Confessing Bushmechanics Union”
One comment to “CBU-Confessing Bushmechanics Union”

Schreibe einen Kommentar zu Maggiman Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.