Jagd auf Dr. Knock – Teil 1

knock-3Saverne Offroaden. Schwierigkeitsgrad irgendwo zwischen Kita und Berlin-Breslau. Eben sitzen Bernd und ich noch mit jenem sinnlichen Grinsen im 109er und diskutieren lebhaft ob rechts durch die Büsche in den Schlamm oder links die Verschränkungspassage den Hügel rauf, da meldet sich die Zahnfee mit einem hässlichen Knock und will mitspielen. Die Zahnfee kennt nur doofe Spiele, weswegen sie nicht gerne zum Spielen mitgenommen wird. Aber zur Gesprächstherapie will sie nicht, weswegen sie auch fortan ihren beklagenswert inexistenten Freundeskreis mit derlei Punk zu stören sucht. Aus dem Getriebestrang dröhnt ein Poltern und Krachen, als würde sich jemand lustvoll mit dem 5Kg Pfahlhammer darin austoben. Das Getriebe schüttelt sich, der Wagen bockt und springt. Eine erste Untersuchung auf dem Platz ergibt zunächst nichts, zumindest nichts, was von außen sichtbar wäre. Keine Löcher im Diffgehäuse, keine abgerissene Kardanwelle, keine zerbröselten Kardangelenke. Von letzeren hat eines minimal Spiel, was aber allenfalls ein Rumpeln und kein Blockieren begründen würde.

Rückwärts geht gar nicht, vorwärts im 4×4 auch nicht. Im 2×4 Betrieb bei ausgeschalteten Freilaufnaben knallt es ab und wann, aber immerhin vorwärts geht es. Also ein paar hundert Meter zurück auf den Campingplatz und mit zwei Waffelboards eine Feldwerkstatt aufgebaut. Rückwärts blockiert die Fuhre nach einer viertel Umdrehung, auch bei ausgeschalteten Freilaufnaben. Daher vermuten wir den Bruch eines Kreuzgelenkes in den Antriebswellen. Die linke Freilaufnabe ist schwergängig, möglicherweise die Seite des Defektes. Für die Heimfahrt bauen wir die Kardanwelle aus und fahren symptomfrei 2×4 von Frankreich nach Schwäbisch Hall.

Eine Woche später, die Sonne scheint so warm und friedlich, schmeiße ich mich an Allerheiligen unter die Serie zum nachbarschaftsverträglichen Leiseschrauben.

Zunächst die Inbusschrauben an den AVM Freilaufnaben vorsichtig lösen. Die reißen gerne ab, weswegen ich an dieser Stelle mittlerweile nur noch mit Bit und Ratsche hantiere und nicht mehr mit dem Inbusschlüssel. Mit Bit und Ratsche hat man einfach einen besseren Hebel und mehr Gefühl. Auch nehmen die Inbusschlüssel kinetische Energie auf, indem sie sich Biegen. Ungut. Das macht eine Ratsche eben nicht. Auch hier wieder der Tipp, erst einmal in Richtung zu drücken , um die Schraube zu lösen, dann aufdrehen. Gleichmäßig, nicht ruckartig.

Nach Lösen des Deckels die Kronenmutter der Antriebswelle lösen, ein weiteres Zerlegen ist an dieser Stelle nicht nötig. Jetzt müssen der untere und der obere Pin raus, nachdem man das Lenkgestänge gelöst hat. Wen man es richtig macht, muss nicht mal die Bremsleitung abgenommen werden, da man die ganze Einheit von Swivelgehäuse und Bremstrommel seitlich ablegen kann. Die kaputte Steckachse gezogen und siehe da: sie ist nicht kaputt. Nicht ein bisschen. Die Enden sind sauber und frei von Beschädigung, das Gelenk stramm und spielfrei.

Aber ein Grund für Ärger, denn sowohl der obere Pin, als auch das untere Lager samt Schale sind völlig hin, auch weist die Chromekugel schwere Pittings auf. Zeit hier mal bei zu gehen. LRSeries bietet gerade das All-In-One Swivelpaket an, Chromkugel und alle Lager, Dichtungen, Shims, das werde ich mal ordern.

Ich baue die Seite ohne die Steckachse wieder zusammen, damit ich mobil bleibe und werde mich alsbald der anderen Seite widmen. Noch habe ich Hoffnung, dass es nicht das Differential oder gar das Getriebe ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt – der heimliche Wahlspruch der Seriefahrer.

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