Schelle des Schreckens

Gestern erst meinen Hobbyhormonspiegel mit Flex und Schweißgerät hochgepuscht, schon nähere ich mich heute meiner Urlaubsserie mit dem vor Kraft und Selbstbewusstsein wiegenden Schritt des gestandenen Stahlbauers, um mal eben die letzten Kleinigkeiten zu erledigen. Ha! Welch Hybris! Welch Eitelkeit! Kleinigkeiten: mal eben den Innnenkotflügel anschrauben, kein Problem, da habe ich mittlerweile meine jogische Flexkörperhaltung gefunden, die es mir erlaubt die Schrauben zu kontern und gleichzeitig zu sichern ohne die Türen auszubauen oder meine bessere Hälfte um Hilfe zu bitten. Ich nenne sie die tiefe Morgenröte des überstreckten Orangs, da dies in etwa der Haltung und der Gesichtsfarbe entspricht. Kurzum: schnelle Kiste, fixe Sache, kein Ding – nicht für mich. Als nächstes mal eben den Lüfter in die vorbereiteten Löcher zu setzen. Dafür nimmt man am besten das Lüftergitter ab. Dann steckt man die Schrauben durch die Haltebleche im Lüfterfuß und fädelt diese durch das Lochbild. Sozial besser vernetzte Schrauber rufen jetzt jemanden der hilft. Soloschrauber wissen, wie man taktil mit 13er Maulring und sacht geführter Ratsche die Schrauben auch im Alleingang festbekommt. Fummelig, aber es geht. Männer fragen nicht. Nun noch eben den Schlauch dran und alles ist fertig. Was sagte ich? Nur noch eben den Schlauch dran und alles ist fertig! Der Schlauch will nicht dran. Ich versuche es mit seitlich unter dem schrafkantigen Kotflügelblech abgebrochenen Arm – Der Schlauch will nicht drauf. Ich liege bäuchlings auf dem Motor – Der Schlauch will nicht drauf, dafür grüßt etwas konsterniert die Nachbarin und bemüht sich so zu tun, als wäre es das natürlichste der Welt, wenn der Irre mit der Serie am hellichten Nachmittag bäuchlings mit knallrotem Kopf keuchend auf dem Motor liegt. Tragisch: Irgendwann umweht eben auch die Spleenigsten unter uns ein Hauch von Normalität, aber der Schlauch will dennoch nicht drauf.

Ich nehme eine Auszeit zum Denken und beschließe nach eingehender Untersuchung, dass die Schelle wohl oder übel runter muss, damit der Schlauch drauf geht. Gesagt, getan, Schlauch nicht ohne Mühe aber -und nur das zählt- endlich drauf. Jetzt die Schelle wieder drum. Da man die zum drüberschieben nicht weit genug aufbekommt, die Schraube rausgedreht, drübergefädelt und geschlagene zwanzig Minuten versucht wieder reinzudrehen. Dafür muss man mit der einen Hand die Stahlschelle zwischen Daumen und Zeigefinger gegen ihren erklärten Willen zusammendrücken. Mir ist schon klar warum diese käsigen Businessolme beim fälschlich als Händedruck verbrämten Fisch in die Hand legens immer spontan diesen entsetzt–flehentlichen Gesichtsausdruck bekommen. Fischedrücken. Mit den restlichen Fingern dieser Hand versucht man die Schraube zu dirigieren, während die andere Hand beständig wie erfolglos schraubt. Natürlich wäre diese Übung zu einfach, wenn man sehen würde, was man da macht. Aber da hat, Gott sei Dank, Britisch Elend sportlich wie ingenieus den Kotflügel davorgesetzt.

Nun, die Zeit rennt und ich muss noch ein paar andere Dinge erledigen, bevor ich nach Polen aufbreche, also breche ich schon mal jetzt und zwar ab. Ich baue mir aus Standardaltteilen eine waschechte Bastardschelle, die binnen zwei Minuten erdacht, montiert und angebracht ist. Dem ersten näselden Rivetcounter, der unter meine Haube lugt und feststellt, dass die Schelle nicht erlaucht erlaubtes original NOS sei, dem wird das ersatzradbeschwerte Blech spontan runterfallend das Wort abschneiden.

Jetzt wo ich bloggend Zeugnis ablege, rate ich im Vergleichsfall den Schlauch vor dem Einbau des Lüfters anzubringen, oder den Kotflügel eben doch abzunehmen.

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